Familien können Arbeitgeber werden

"Papa hilft im Haushalt mit" - Illustration aus einem Familienratgeber von 1956. Schon damals drängte sich der Eindruck auf, dass es besser wäre, einen Profi ranzulassen. Zeichnung: W. Riegenring
Die Familie hat das Zeug zum Arbeitgeber. Haushaltsnahe Dienstleistungen aller Art werden ihr jetzt schon offeriert, von der Putzfrau über Babysitter und Pflegehilfe bis zum Handwerker- und Gartenservice. Meist allerdings als Schwarzarbeit.
Dabei könnten nach Erhebungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen 300 000 Stellen entstehen, wenn man die Arbeiten in legalen Beschäftigungsverhältnissen ausführen würde. Vor allem bei Älteren und in Haushalten mit Kindern ist der Bedarf an Hilfe besonders ausgeprägt. Allerdings klaffen Nachfrage und Angebot weit auseinander. Auf dem Markt finden sich kaum Firmen, die unkompliziert und flexibel Haushaltsdienstleistungen anbieten.
Das Problem ist die Bezahlung der Dienstleister. Heute liegt der durchschnittlich gezahlte Stundenlohn zwischen 8 und 9 Euro. Davon kann kein Unternehmen und auch kein Selbstständiger leben, wenn er Sozialversicherungsbeiträge und Steuern bezahlen muss. Aber viel höhere Stundenlöhne können Arbeitnehmer und Rentner aus ihren Einkommen nicht zahlen.
Das sieht auch Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen ein und verspricht, die Rahmenbedingungen zu verändern. Schon in diesem Sommer wird das Bundeskabinett die Absetzbarkeit solcher haushaltsnahen Dienstleistungen von der Steuer beschließen.
Für allein erziehende Mütter und Senioren, die den größten Bedarf an Hilfe haben, ist das allerdings kein großer Anreiz. Sie zahlen erfahrungsgemäß nur geringe Steuern und können dementsprechend nur wenig absetzen.
Trotzdem gibt es schon etliche Unternehmen, Vereine und Existenzgründer, die auf Familien unterstützende Dienstleistungen setzen und entprechende Angebote für Familien entwickeln. Im Programm „Unternehmen Familie“ des Bundesfamilienministeriums und der Robert-Bosch-Stiftung werden gute Ideen vorgestellt und gefördert.
Hier einige Projektbeispiele:
- Institut für Site und Facility Management GmbH, Ahlen
- Evangelische Jugendhilfe e.V., Münster
- QuaBeD Ennepe-Ruhr/Hagen gGmbH, Witten
- Verein zur Förderung der Beruflichen Bildung e.V., Speyer
- perfino e.G., Jena/Erfurt
- Gemeinde Lohmen
- MW Malteser Werke gGmbH, Potsdam
- Agentur Mary Poppins, Hannover
- Frauenkommunikationszentrum e.V., Herzogenrath
- INA.KINDER.GARTEN GmbH, Berlin
- Familiengenossenschaft, Mannheim


