Kinderbücher von Peter Hacks

Für Sammler künstlerischer Bilderbücher sind besonders die von Klaus Ensikat illustrierten Hacks-Werke heiß begehrte Trophäen. Der Gedichtband "Flohmarkt" ist von 1964.
Am 21. März 2008 wäre der Dramatiker 80 geworden. Wir blättern aus diesem Anlass in seinen Kinderbüchern:
"Meta Morfoß", die Geschichte von einem kleinen Mädchen, das es liebt, sich zu verwandeln, wie schon der Name sagt. Die Eltern finden das Baby mitunter als Wärmflasche vor. Später ist Meta Dampflock, Strickstrumpf, Einstein, Engel oder Krokodil. Bis auf Müllmann Karsunke gehen ihre lieben Nächsten entspannt mit der Marotte um und wollen das Mädchen nicht ändern. Sie ist nun mal die Meta.
"Ein Märchen für Claudias Puppe", die nicht einschlafen kann. Puppenbesitzerin Claudia und der Erzähler, der auf der Bettkante hockt, "stricken" zusammen an einer passenden Geschichte für die Puppe. Die soll eigentlich erst von einem Schulmädchen handeln. Aber ihre Puppe, sagt Claudia, ziehe Prinzessin allen anderen Berufen vor.
"Das musikalische Nashorn", illustriert von Hans Ticha. Gezeichnet von schwersten Gebrauchsspuren ("Kaukau"flecke!!!") fand sich das Buch in der Tiefe des Bücherschranks. Hier wird's philosophisch: Muss ein Künstler in der Krieg ziehen, wie alle? Oder ist er wertvoller und darf sich schonen? Ist es glaubhaft, dass böse Löwen durch "die Kunst der Töne" für immer friedlich werden?
Wer es liebt, mit Kindern über die Welt nachzudenken, findet bei Hacks immer Ansätze. Die Reime im "Nashorn" sind so eingängig, dass sie sich unversehens in stehende Redewendungen verwandeln können. So z.B. verteidigen echte Kerle ihre Familie:
- Auf wachten da die Bullen all/ Und stellten sich zu einem Wall/ Die Hintern hinten, die Nasen vorn./ Und immer Horn an Horn an Horn.
Das merken sich Kinder nach dem ersten Vorlesen. Als vielfältig brauchbar erwiesen sich im pädagogischen Alltag Zweizeiler wie diese:
Nun aber wuchs in ihrer Schar/ Ein Jüngling auf, der anders war.
Der Oberbulle sprach mit Schnauben:/ "Wenn ich's nicht säh, ich könnt's nicht glauben!"
"Wer Angst hat", sprach er, womit er schloß, "wird nie ein rechtes Rhinozeros."*
"Jules Ratte": Hier gibt ein weiser Nager, der etliche Schulbücher gefressen hat, für ein Mädchen den Vorsager und die Haushaufgabenhilfe, macht sich dann aber - als geborene Wanderratte - im Frühjahr wieder aus dem Staub. Das Kind Jule findet eines Morgens folgenden eng beschriebenen Zettel:
- "Dies halbe Jahr mocht ich dir schenken,/Jetzt musst du wieder selber denken,/ Ergebenst/Piep."
Was nun?
- "Jetzt sieht man Jule, tief die Locken/ In Berge von Papier getaucht,/ In einer Bücherhalle hocken./ Es ist ihr Kopf, was da so raucht."*
Wie das ausgeht, ist unklar, klar ist nur die Moral:
- Nur eigen Weisheit macht den Weisen./ Ratgeber können mal verreisen./ Der kluge Freund läßt dich im Stich./ Dann fragst Du wen?/ Dann fragst du DICH.*
Auch das war für uns eine schöne Bereicherung des elterlichen bzw. großelterlichen Sprüche-Reservoires!
"Die Sonne": Dieses hundertmal betrachtete Buch mit zauberhaften detailreichen Illustrationen von Klaus Ensikat hatten wir irgendwann verborgt. Seitdem blieb es verschwunden und war bislang auch antiquarisch nicht wieder aufzutreiben. Leider gilt das für etliche der alten Hacks-Bilderbücher. Dabei ist der Suchtfaktor groß: Wer eins hat, will alle.
Peter Hacks als Person ...
... ist umstritten. Er, der 1955 mit seiner Frau in die DDR übersiedelte, den Bau der Mauer und die Ausbürgerung Biermanns befürwortete, wirde hoch verehrt und wütend boykottiert.
Wer die Sache mit der Weltanschauung weniger schwarzweiß sieht, kann in seinem Werk die schönsten Schätze heben. Denn als Schriftsteller ist der Wortvirtuose unumstritten einer der Großen in Deutschland. Der Chor der Bewunderer schwillt gerade wieder an.
Der Perfektionist Hacks, der frech und vergnüglich "einfache Dinge in großen Stoff verwandelte" sah sich als Klassiker und hatte Recht damit. Nichts von seinen Sachen wirkt angestaubt. Was er für Kinder schrieb, ist "mindestens so immens klug und so königlich schön formuliert wie seine Dramen, Gedichte und Essays" (DIE ZEIT).
Wie Hacks' Freund James Krüss und Erich Kästner, mit dem er sich schrieb, verwendet auch Hacks in Texten für Kinder keinen abgespeckten Wortschatz. Er beschenkt die kleinen Menschen mit saftigen, unverbrauchten Wörtern wie:
- verdrießlich
- pampig
- barsch
- hingekleckst
- Raffzahn
- Scheusal
- Meuchelmörder
- Narr
- Heckenstrolch
- Umhängesack
- Tuchweste...
Es gibt graue Häupter, krallenreiche Pfoten, malvenblauen Mondenschatten, apfelroten Abendschein und feierliche Freude... Das Vorlesen wird zum Fest!
Hack's Welt ist reich an Helden. Im Gartenstück "Liebkind im Vogelnest" treten folgende Tiere als "Charakterdarsteller" auf:
- Fliegenschnäpper
- Maulwurfsgrille
- Fledermaus
- Wiesel
- Grashüpfer
- Ohrenkneifer
- Raupe
- Maulwurf
- Kerbtiere
- Kakerlak
- Gelbrandkäfer
- Knospenstecher
- Blattlaus
- Bisamratte
- Nackschnecke
- Wühlmaus
- Coloradokäfer
sowie Igel, Frosch, Kröte, Eichhörnchen, Wespe, Tauwürmer, Feuersalamander, Blindschleiche, Milbe, Spinne, ein Schaf und ein Hund.
Kurz gesagt, der Meister schöpft aus dem Vollen. Das tut gut! Es gäbe einiges zu erklären für Omas und Opas, aber vieles erklärt sich auch selbst. Jedes Vieh ist ein Typ, der sich einprägt. Wo immer bei Peter Hacks Dialoge vorkommen, halten sie einen in Atem. Er liefert intelligente, subtile Wortgefechte. Das Gegenüber wird
- umgarnt,
- umworben,
- hingehalten,
- in die Irre geführt,
- überrumpelt,
- entlarvt,
- überlistet,
- und mit den eigenen Argumenten geschlagen.
Da kann ein Kind was fürs Leben lernen!
"Hacks als Märchenonkel ist unübertrefflich, sein einziger Fehler besteht darin, daß er tot ist und wenig Neues mehr schreiben wird", befand Zeit-Redakteurin Evelyn Finger.
Peter Hacks schrieb für Kinder:
- "Das Windloch", Kindermärchen 1956
- "Das Tumverlies", Kindermärchen 1961
- "Der Schuhu und die Fliegende Prinzessin", Erzählung 1963
- "Der Flohmarkt", Kindergedichte 1964
- "Die Sonne", Kindergedichte 1974
- "Das musikalische Nashorn" 1978
- "Onkel Mo", Kindermärchen 1981
- "Liebkind im Vogelnest", Kinderroman 1984
- "Prinz Telemach und sein Lehrer Mentor", Kinderroman, 1993
Neues von Peter Hacks für Erwachsene:
CD: "Seit du dabist auf der Welt", Liebeslieder, 2008. Wieglaf Droste und das Spardosen-Terzett vertonten Gedichte von Peter Hacks.
Erzählung: "Die Dinge in Buta".
(Cover des Buches, das bisher nur als Privatdruck publiziert ist.)
Die Story: Ein missratener Sohn unternimmt auf Papas Geheiß eine Geschäftsreise in ein Land, in dem Pornografie erwünscht ist, aber Essen tabu. Ein Umsturz liegt in der Luft. Die Schilderung der Versammlung der Umstürzler in Buta ist ein Muss für Genossen und Ex-Genossen aller Art! Die Illustrationen von Rudi Hurzlmeier befriedigen auch notorisch Parteilose. *"Schwere Euphorie, angenehmes Hirnsausen" *(O-Ton DIE ZEIT) sind die Folgen.
Weitere Cover von Hacks' Kinderbüchern:
(Ab 7 Jahre empfohlen. Zum Buch. Angucken.Kaufen.)
Drei Erzählungen aus diesem Buch erschienen als Hörbuch "Anton ist fürs neue Jahr"
Die Story: Der Gartengott macht sich davon, die böse Fee Grilla, Herrscherin des muchtigen Gartens "Sudelgard" will ihren Machtbereich ausweiten und unterwandert mit ihren Truppen das gepflegte Nachbarreich. Dort leben Leberecht und Liebkind. Er zieht in den Kampf und verstößt seine Geliebte, damit sie sich keine Sorgen macht. Brilliantes Lehrstück über Demokratie, Diplomatie, Freiheit, Freundschaft und wahre Liebe. Hund Kaspar ist allein schon das ganze Geld wert. Hacks weiß, wie treue Diener ticken. Große Literatur, auch für Erwachsene.








