Stiche
„Ist das was Schlimmes?!“, fragte Anton gestern besorgt. Er hob sein T-Shirt und zeigte uns dicke rote Knubbel auf seinem weißen Bauch.
„Mückenstiche!“, sagte Brigitte erleichtert.
„Flohstiche!“, kreischte Wiebke. „In deinem Zimmer wohnen Flöhe! Die kriegen von deinem Blut Kinder, und die Kinder kriegen wieder Kinder. Vielleicht räumst du doch mal auf. Dann stinkt’s da auch nicht mehr so nach Pups und Socke.
Das sind ja ganz neue Töne. Sonst ist Wiebke immer auf Antons Seite.
„Is nich meine Schuld, mann“, maulte er beleidigt. „In dieser blöden Familie kümmern sich alle nur um sich selber. Ich verwahrlose.“
„Geh doch zum Jugendamt“, riet Wiebke. „Die schicken Familienhelfer zum Aufräumen.“
„Die nehmen mich euch weg!“, patze Anton. „Die geben mich in eine Pflegefamilie, wo ich gepflegt werde. Hier soll ich alles selber machen und werde nicht richtig erzogen!“
„Stimmt!“, sagte Wiebke. Anton grinste sie freudig an.
Als ich ihn heute früh sah, trug er Brunos Flohhalsband.


