Bauernhof-Ferien mit Enkeln: Oma und Opa fahren heim und sind um zehn Jahre jünger...

Unbesorgt machen Enkelkinder den ganzen Tag lang, was sie wollen. Und Oma und Opa auch...
Der Biehlerhof bei Nürnberg, seit jeher im Familienbesitz, hat sich vor zwölf Jahren für Feriengäste geöffnet. In letzter Zeit sind das immer häufiger Großeltern mit Enkeln. GroßelternReport sprach mit Anita Biehler darüber, warum sie diese Besucher ganz besonders mag.
Opa mit Kälbchen. Wer holt sich da eigentlich wen zum Spielen?
GroßelternReport: Urlaub auf dem Bauernhof war früher bei jungen Eltern groß in Mode. Wie kommt es, dass jetzt mehr Omas und Opas mit Enkeln auftauchen?
Anita Biehler: Viele Ehen sind heute geschieden, manchmal nach bösen Streits. Der allein erziehende Elternteil hat nicht so viel Urlaub. Also springen die Großeltern ein. Sie haben Zeit und wollen, dass die Kinder in einer ganz anderen Umgebung mal so richtig abschalten. Oft sind es die Großeltern der „Verliererseite“. Also zum Beispiel die Eltern eines geschiedenen Vaters, dessen Kinder der Mutter zugesprochen wurden. Für sie ist es eine Gelegenheit, mal wieder wirklich eng mit den Enkelkindern zusammen zu sein. Die seltenen Besuchswochenenden reichen dazu nicht.
GR: Kommt die Oma oder der Opa mit dem Enkel allein?
Anita Biehler: Selten, wir haben meistens Paare mit einem, zwei, oder sogar drei Kindern zu Gast. Vorsichtshalber buchen sie erst einmal ein paar Schnuppertage, um zu sehen, wie es läuft. Viele verlängern danach, manche bleiben sogar mehr als zwei Wochen.
GR: Sie könnten ja auch nach Mallorca fahren oder in die Türkei. Was zieht sie zu Ihnen?
Anita Biehler: Kinder anvertraut zu bekommen, ist eine große Verantwortung. Ich verstehe, dass Großeltern sich davor scheuen. Auf unserem Hof kann aber nicht viel passieren. Schon weil es weit und breit keinen Straßenverkehr gibt. Ob im Stall, im Garten oder in der Werkstatt, es ist immer jemand da, der ein Auge auf sie hat. Die Großeltern müssen nicht ständig hinterher sein und aufpassen. Die Kinder haben den totalen Freilauf, haben Spielgefährten, sie fallen abends müde wie ein Stein ins Bett.
GR: Bis dahin packen sich Oma und Opa ganz entspannt in den Liegestuhl...
Anita Biehler: Wenn sie wollen, ja, das ist kein Problem. Natürlich denken wir daran, dass ältere Leute es im Urlaub auch selbst bequem haben wollen. Die Betten sind bereits bezogen, das Essen kommt auf den Tisch... Niemand muss fürchten, dass er hier mit Haushaltsarbeit belastet ist. Im Liegestuhl hält es übrigens selten jemanden lange. Es gibt so viel zu entdecken!
GR: Was entdecken gestandene Leute auf einem kleinen Bauernhof?
Anita Biehler: Eine „innere Tür“ zur eigenen Kindheit, würde ich sagen. Es fängt schon mit den Blech-Milchkannen an, die als Deko auf den Zimmern stehen. Wie oft ruft jemand aus: Damit habe ich früher Milch geholt! Wer nicht selbst vom Land kommt, war doch als Stadtkind „in der „Sommerfrische“ oder wurde zu Verwandten und Bekannten "aufs Land verschickt“. Das kommt plötzlich alles wieder hoch. Lebhafte Erinnerungen entstehen durch Gerüche, mit denen unsere alltägliche ländliche Arbeit verbunden ist: es riecht nach Bauerhof und Land, Erde, Heu, frischem Holz... alles chemiefrei!
GR.: Und wie läuft's mit den Tieren?
Anita Biehler: Die sind ganz wichtig! Besonders die Babys. Im Winter sind es weniger. Aber jetzt im Vorfrühling kommen schon bald die Häschen, die Kätzchen, die Kücken und die Zicklein... Ich achte darauf, dass wir immer viele Tierkinder haben, dass der ganze Hof vor Leben wuselt. Es ist ja so: Kinder steigen aus dem Auto, sehen ein Tier und verlieben sich sofort. Was es ist, ist ganz verschieden. Mädchen haben gern was zum Streicheln. Jungen mögen es sehr, ein Zicklein mit Trockenbrot zahm zu machen... Niemand muss seinen Liebling mit jemandem teilen. Auch das Spielzeug nicht, wir haben die ganze Scheune voll davon. Streit und Langeweile gibt es deshalb nicht...
GR.: Was ist für Kinder anders an einem Oma/Opa-Urlaub als an Ferien mit den Eltern?
Anita Biehler: Ich will jetzt wirklich keine Mütter kränken, aber sie können doch leicht genervt sein, besonders wenn sie vorher viel Stress hatten. Sie erziehen das Kind im Urlaub wie immer. Dabei brauchten sie selbst mal Pause vom Kind. Wenn es nach dem Regen in eine Pfütze springt, kriegt es möglicherweise Ärger... Bei Opa kann es sein, er tappt in Gummistiefen hinterher und jubelt mit. Überhaupt lassen sich alt und jung hier nahe aufeinander ein.
GR.: Im Alltag klappt das schlechter?
Anita Biehler: Ich denke schon. Bei uns gehen die Uhren einfach etwas langsamer. So wie in unserer Idylle lernen Alt und Jung sich nicht kennen, wenn sie einander sonst nur zum Abholen vom Schulhort treffen. Für die Kinder sind die Tage eine Erfahrung, die sie mitnehmen ins Leben. Was die Erwachsenen angeht: mein Eindruck ist, dass die Großeltern zehn Jahre jünger wieder heimfahren. Viele Sorgen rücken in weite Ferne.
GR: Man kann sich ja auch mit anderen austauschen.
Anita Biehler: Auf jeden Fall, es sind ja alles Gleichgesinnte. Die Großeltern haben nicht nur die Kinder, sondern können jederzeit auch Erwachsenen-Gespräche führen. Bei den insgesamt 15 Plätzen, die wir haben, ist die Gruppe nicht zu groß, aber auch nicht zu klein. Viele freunden sich sogar miteinander an. Die Großeltern von 2006 und 2007 haben alle wieder gebucht.
GR.: Das klingt als müssten Sie gar nicht um Großeltern werben?
Anita Biehler: Das habe ich nie getan. Es ist einfach so gekommen, dass sich häufiger welche meldeten. Ich freue mich aber sehr darüber, denn ich sehe, wie es ihnen und den Kindern gut tut, wie sie aufblühen. Es macht keinen Sinn für einen Ferien-Bauernhof, von überall her Großeltern einzuladen. Von Hamburg zum Beispiel wäre man fünf Stunden oder mehr zu uns unterwegs, da ist doch auf der Rückfahrt der Erholungseffekt verpufft. Wenn Großeltern mit ihren Enkeln Bauernhof-Ferien haben wollen, sollten sie einen suchen, der maximal 300 Kilometer entfernt ist. Es mal zu probieren, kann ich jedem nur raten.
Ländliche Idylle mit Kindern und Tierkindern auf der Streuobstwiese des Biehlerhofs
Fotos: A.Biehler




