Schwiegermutter bietet niemals ihre Hilfe an
Ich und mein Freund haben zwei Kinder (4 und 1)und sind seit acht Jahren zusammen. Meine Schwiegermutter (49) ist seit fünf Jahren arbeitslos. Wenn Sie uns besucht, tut sie immer so, als ob sie am liebsten jeden Tag herkommen würde. Das wäre kein Thema, sie wohnt zehn Minuten entfernt. Sie kommt aber meist nur am Wochenende aller zwei Wochen. Meine Mutter kümmert sich mehr um ihre Enkel, meine Schwester genauso, obwohl beide arbeiten. Sie kommen mindestens zweimal in der Woche her und schauen, wie es uns geht. Helfen von A-Z, könnte man sagen. Fahren zum Beispiel ständig mit uns einkaufen seitdem mein Freund seinen Führerschein verloren hat.
Wenn man meine Schwiegermutter fragt, ob sie Zeit hat, mit uns einzukaufen, dann ist sie oft genervt oder hat keine Zeit. Dafür macht sie uns Vorschriften über Erziehung. Oder sagt, dass ich zur Abendschule gehen soll. Aber nicht, dass sie dann auf die Kinder aufzupassen würde.
Ich mache momentan meinen Führerschein. Da kann ich mich schlecht noch zur Abendschule anmelden. Bin froh, das meine Mutter auf meine Kinder aufpassen kann, wenn mein Freund noch auf der Arbeit ist während ich bei der Fahrschule bin.
Die Schwiegermutter ist selber noch ganz jung kann man sagen, sie redet immer sehr schlau. Aber das wars auch schon wieder. Sie hat zu allem ihren Senf dazu zu geben und lässt sich nichts sagen. Wenn man mit ihr darüber reden würde, dann würde sie alles falsch verstehn und sofort streiten. Das hat mein Freund schon versucht.
Wie oft habe ich ihr geholfen, viel zu viel. Von ihr kam nie etwas. Das tut einfach weh, wenn man nichts zurück bekommt. Meine Oma war immer für mich da. Aber meine Kinder kennen ihre Oma nicht richtig als Oma weil sie so selten da ist und sich nicht mit ihnen befasst.
Als das zweite Kind noch nicht da war, hätte ich eine Arbeit antreten können und mein Freund dachte, dass seine Mutter uns unterstützen würde. Ich habe sie gefragt, ob sie auf den Kleinen aufpassen könnte, montags bis freitags von 8-13 Uhr. Sie war ja arbeitslos. Sie sagte, höchstens ein, zwei Tage würde sie das machen, sonst würde es ihr zuviel. Dabei ist mein Sohn ein leichtes Kind, er kann sich alleine gut beschäftigen. Sogar mein Freund war geschockt, dass sie nicht helfen wollte. Seitdem habe ich nie wieder gefragt. Mein Freund ist stinkesauer, dass seine eigene Mutter sich nicht als Oma verhalten kann.
Können Sie mir sagen, was in den Kopf der Schwiegermutter los ist? Ich verstehe das überhaupt nicht. Keiner, dem ich das erzähle, versteht dies. Wenn die Frau etwas intressiert, dann ich und ihr Sohn. Mit den Kleinen gibt sie sich nicht gerne ab, sie hat selber noch einen elfjährigen Sohn.
A.
Liebe A.,
ich kann gut nachvollziehen, dass Sie mit den beiden Kindern nicht viel Spielraum haben für Weiterbildung und dergleichen. Zumal, wenn sogar das Einkaufen schon ein Problem ist. Ich will also nicht denselben Fehler machen wie Ihre Schwiegermutter und "gute Ratschläge" geben, die gar nicht auf Ihre Lebenssituation passen. Das nervt wirklich nur.
Mir scheint, dass Sie es insgeheim noch nicht ganz aufgegeben haben, auf die Unterstützung der Schwiegermutter zu hoffen. Das wäre aber besser. Nur Hilfe, die gern und freiwillig gegeben wird, funktioniert wirklich. Und eine Pflicht für Omas, sich um die Enkel zu kümmern, gibt es nun mal nicht. Dafür haben Großeltern aber auch kein Recht, sich in die Erziehung einzumischen und schon gar nicht in die Gestaltung Ihrer Partnerschaft. Beides ist allein Ihre Sache.
Natürlich ist es schade, dass Ihre Kinder keine Oma erleben, die so ist wie Ihre eigene früher. Da hatten Sie als Kind einfach Glück... Manche Frauen kommen mit älteren Enkeln wunderbar klar, die Kleinen sind ihnen zu anstrengend. Vielleicht gehört Ihre Schwiegermutter zu diesen Frauen. Aber am besten klappt auch die Beziehung zu Enkeln im Schulalter, wenn in der frühen Kindheit ein "Band geknüpft" wird.
Theoretisch könnte Ihre Schwiegermutter mit 49 Jahren irgendwann selbst wieder arbeiten. Vielleicht sucht sie sogar einen Job. Dann hätte es tatsächlich ein Problem gegeben, wenn sie in die Betreuung ihres Enkelkindes an allen Vormittagen in der Woche eingewilligt hätte.
Dass sie Sie in die Abendschule drängen will, muss übrigens gar nicht so böse belehrend gemeint sein, wie Sie es empfinden. Es könnte sogar mit ihrer eigenen Lebenserfahrung zu tun haben. Vielleicht fände Ihre Schwiegermutter selbst leichter wieder Arbeit, wenn sie eine höhere oder zusätzliche Qualifikation hätte - und sie will Sie vor ihrem eigenen Versäumnis warnen...
Wie auch immer, versuchen Sie ohne sie klar zu kommen. Jemand, der gar keine familiäre Hilfe ringsum hat, muss das auch irgendwie schaffen. Eine gute Lösung für Sie wären vielleicht demnächst Kita-Plätze für Ihre Kinder. Leider sind, wie ich weiß, die Angebote bundesweit sehr unterschiedlich gestreut. Und private Alternativen wie Tagesmütter kann sich nicht jeder leisten.
Viel mehr kann ich Ihnen jetzt leider auch nicht sagen. Glücklicherweise wachsen Kinder schnell heran, dann wird es für Sie auch wieder leichter. Verschwenden Sie keine Kraft auf Ärger über die Schwieger-Oma. Ich bin nicht dafür, Hilfe gegeneinander aufzurechnen, aber ganz einseitig sollte sie doch nicht sein. Wenn sich also Schwiegermama so gar nicht für Sie engagiert, obwohl sie die Möglichkeit hätte, müssen Sie sich auch nicht verpflichtet fühlen, das sehe ich genauso wie Sie.
Ich drücke Ihnen erstmal die Daumen für die Führerschein-Prüfung!
Uta Alexander


