Häkel-Omas im Weihnachtsstress

Wärmflaschen und Babysöckchen sind irgendwann einfach keine Herausforderung mehr für versierte Maschenkünstlerinnen. Sie bestricken gern auch ganze Kerle. Wenn's sein muss, sogar den Weihnachtsmannn. (Foto: privat)
Seit März 2006 betreibt der Stuttgarter Architekt Manfred Schmidt, 34, eine MaschenManufaktur mit liebevoll handgearbeiteten Unikaten der Häkelkunst. Online verkauft er auf www.OmaSchmidtsMasche.de Klassiker wie Brillenetuis, Wärmflaschenhüllen, Beutel, Nadelkissen, Babyjäckchen und Socken, Kultiges wie Handtaschen, Hippie-Schlüsselanhänger und Klopapierhüte, sowie Witziges wie Zubehör für moderne Technik, das es nie zuvor als Häkelversion gab, etwa USB-Stick- , iPod-, Handy- und Digicam-Taschen und ziemlich Verrücktes, wie Architekturmodelle. Alle Mitarbeiterinnen sind echte Großmütter. Die erste war seine eigene: Oma Resi Schmidt, 78, Namensgeberin und Seele des ungewöhnlichen Projekts.
Sie war schon immer seine Lieblingsoma. Jetzt ist sie seine Geschäftspartnerin. Manfred Schmidt und Resi Schmidt (Foto: privat)
GrosselternReport sprach mit Manfred Schmidt:
GR: Jetzt vor Weihnachten glühen bei Ihren Häkelomas sicher die Nadeln ...
Manfred Schmidt: Wir haben natürlich ein bisschen vorgearbeitet, jetzt füllen wir die Vorräte fleißig auf. Trotzdem gehen noch Sonderwünsche, aber nur bis zum 10.12. Wer zum Beispiel eine Mütze in einer besonderen Farbkombination verschenken will, sollte sie ganz schnell bestellen.
GR: Was gibt es sonst an Weihnachts-Extras?
Manfred Schmidt: Zum Beispiel Flaschenkostüme mit verschiedenen Weihnachtsmotiven. Und gehäkelte Engel, Sternchen oder umhäkelte Glasweihnachtskugeln. Alles erscheint demnächst auf unserer Homepage. Und natürlich in unserem ersten Laden in Stuttgart-West, Herzogstrasse 4. Gerade habe ich diesen kleinen Geschäftsraum gefunden und ab Samstag ist er dann auch schon geöffnet, wenn auch noch nicht komplett renoviert.
GR. Nanu, Online-Verkauf reicht Ihnen nicht mehr?
Manfred Schmidt: Eigentlich schon, wir sind dadurch bereits ziemlich bekannt. Aber im eigenen Geschäft steht das „KreativKollektiv“ dann selbst hinterm Ladentisch. Die Leute können mit den Frauen reden und alle Sachen mal anfassen und probieren. Passt mein Handy in diese Handy-Tasche? Steht mir die Mütze? Wie fühlt sie sich an? Wie sieht ein Badeanzug-Tatoo in echt aus? Das ist viel sinnlicher als die Fotos im Internet, und alle haben mehr Spaß.
GR: Wächst den Häklerinnen nicht jetzt schon manchmal die Arbeit über den Kopf?
Manfred Schmidt: Naja ... Anfangs war wirklich nur meine eigene Oma im Einsatz. Das war riskant, sie kann ja auch mal krank werden oder hat etwas anderes vor. Inzwischen machen fünfzehn weitere „SeniorDesignerinnen“ mit. Aber auch da kommt mitunter was dazwischen. Zum Beispiel Herbstarbeit im Garten oder ein großer Familienbesuch. Manchmal müssen wir uns ganz schön ranhalten, um die Wünsche zu erfüllen.
GR.: Neue Mitstreiterinnen wären also willkommen?
Manfred Schmidt: Ganz herzlich! Es spielt keine Rolle, wo man wohnt. (Näheres dazu sh. unten)
GR.: Sie könnten sich mit ihrem Hobby die Haushaltskasse aufbessern ...
Manfred Schmidt: Stimmt. Die Sache ist aber nicht nur finanziell interessant und irgendwie neu und witzig... Sie hat vor allem auch einen sozialen bzw. psychologischen Hintergrund.
GR: Inwiefern? Häkeln als Therapie?
Manfred Schmidt: Es geht darum, aus dem, was man kann, etwas zu machen, gerade in seinen späteren Jahren. Das möchte ich fördern. Ich kam auf die Idee mit der Häkelmanufaktur nachdem mein Vater mit 55 Jahren gestorben war. Das ist jetzt genau zwei Jahre her. Oma häkelte damals in ihrer Trauer fast nonstop. Ich wollte, dass ihre Arbeit einen Sinn hat und eben nicht nur Ablenkung ist.
GR: So war es ja dann auch ...
Manfred Schmidt: Oma sagt heute, sie hätte sich nie träumen lassen, im Alter noch einmal bei einem richtigen Geschäft mitzumachen und sogar Interviews zu geben. Früher bewirtschaftete sie einen kleinen Hof mit kleiner Landwirtschaft, Hühnern, Schweinen und einem großen Himbeerstrauchwald (da gab’s immer leckere Himbeerspeisen). Sie hat nun wieder Verantwortung und Erfolg und ist froh, gemeinsam mit anderen etwas Nützliches zu tun.
GR. Was gibt’s 2008 Neues?
Manfred Schmidt: Das Warenlager wandert endlich aus meiner Wohnung in den Laden, der ausgebaut und am 01.03.2008 festlich eröffnet wird. Sicherlich erweitern wir das Sortiment, zum Beispiel um Hunde-Couture. Ich bin auch mit einigen „WerkelOpas“ im Gespräch. Einer mit viel Handwerkserfahrung, ein ehemaliger Klavierbauer, restauriert z.B. Biedermeier-Möbel. Ein anderer baut Büroutensilien aus Holz. Wir sind gern weiterhin bei Ausstellungen dabei. Es kamen auch schon Anfragen, ob wir Häkelkurse für jüngere Leute geben. Wir denken darüber nach, schließlich soll die Handarbeitstradition nicht aussterben.
Lust aufs Mitmachen bei Oma Schmidt’s Masche? So geht es:
Die Interessentin schickt ein typisches Probestück ihrer Arbeit (oder mehrere) und ein Foto von sich selbst, am besten beim Handarbeiten, an Oma Schmidt’s Masche. Es sollte etwas sein, das sie am besten kann, am liebsten macht oder sogar selbst erfunden hat. Oma Gandras zum Beispiel ist die Handtaschen-Expertin der Firma, sie macht selten etwas anderes. Es kann natürlich auch mehrere Taschenexpertinnen geben, für Umhängetaschen, Tragetaschen, etc. Tipp: Die Enkel zu Rate ziehen! Die wissen auch, was „cool“ oder „hip“ ist.
Wenn die Eigenkreation passt und die Qualität stimmt, erhält sie das „OmaSchmidtsMasche“ – Label und kommt ins Sortiment. Auf der Homepage erscheinen Fotos sowohl vom Produkt als auch von der Herstellerin. Es werden keine persönlichen Daten weitergegeben. Wenn's ums Design geht: Über Ideen oder Verbesserungen kann man sich mit den anderen Häkel-Expertinnen austauschen.
Wer will, kann auch einfach nach „Oma Schmidt’s Masche“ - Design, d.h. nach Vorlage häkeln. Beispielsweise Dauerbrenner wie die inzwischen wieder total angesagten Klopapierhüte fürs Auto oder als Wohnaccessoire. Ist ein Stück von einem Kunden individuell vorbestellt, kommt die Wolle in dessen Wunschfarbe per Paket aus Stuttgart.
Manfred Schmidt & Co. nehmen die gehäkelte Ware in Kommission, schicken sie an Kunden weiter und überweisen nach Eingang der Zahlung der Ma(S)cherin das vereinbarte Honorar.
Nicht vergessen: Dem Foto und der Arbeitsprobe zwei, drei persönliche Sätze beifügen, damit die neue Mitstreiterin auf der Site vorgestellt werden kann. (Beispiele)


