Ich möchte gern mein Enkelkind großziehen

*Nach einigen Arbeitsjahren im Ausland bin ich mit meiner Frau und unserer achtjährigen gemeinsamen Tochter nach Deutschland zurueckgekehrt. Meine Frau hat noch einen Sohn und eine Tochter aus erster Ehe, inzwischen 21 Jahre alt. Die Kinder sind bei der Schwester meiner Frau aufgewachsen, denn nach dem Tode ihres Ehemannes musste sie den Lebensunterhalt für alle verdienen. Die beiden haben immer in Thailand gelebt, wir haben ihre Ausbildung und später auch eine separate Wohnung finanziert. Das hat sich wohl jetzt gerächt. Die Tochter hat noch keinen Abschluß und ist jetzt schwanger. Ich würde gerne unser Enkelkind nach Deutschland holen und es bei uns groß ziehen. Mir ist nur nicht klar, welchen Papierkram ich mit wem in Angriff nehmen muß...*

Heiner W.

Sehr geehrter Herr W.,

Sie sollten einen Fachanwalt für Familienrecht konsultieren, der sich ggf. auch mit Auslandsadoptionen auskennt. Auskünfte darüber, wer diese Materie beherrscht, gibt Ihnen die Rechtsanwaltskammer Ihres Bundeslandes. Einfach wird es sicher nicht werden, das Kind in Ihre Familie zu holen.

Soviel ich weiß, spricht nichts dagegen, dass ein Enkelkind bei seiner leiblichen Großmutter aufwächst. Nur müssen Mutter und Vater des Kindes ihre Zustimmung dazu geben (Aufenthaltsbestimmung). Die kann zwar jederzeit zurückgezogen werden und die Rechte der Großeltern sind dabei gering. Vielleicht reicht das für Ihren Zweck aber trotzdem schon.

Bei Ihnen kommt allerdings hinzu, dass die leiblichen Eltern des Kindes (und auch das Kind) keine deutschen Staatsbürger sind. Ob dann die Zustimmung der Eltern reicht, kann ich nicht beurteilen. Sie könnten nichts für das Kind entscheiden ohne Kontakt mit Thailand aufzunehmen. Bei medizinischen Eingriffen z.B. braucht es immer eine Einwilligung der Eltern. Auch später in der Schule wird man nach den Erziehungsberechtigten fragen, und die sind Sie nicht.

Fragen Sie den Anwalt, ob Sie eine Pflegschaft oder Vormundschaft für das Kind beantragen sollten, um handlungsfähig zu sein. Auch das denke ich, ist nicht so einfach, denn die Eltern des Kindes leben, sind erwachsen, mündig und nicht erziehungsunfähig.

Der weit reichendste Schritt wäre eine Adoption des Kindes durch Sie. Adoptionen durch Großeltern werden eher ungern gesehen, weil sie die natürlichen Familienverhältnisse verwischen. Man geht davon aus, dass ein Kind ein natürliches Recht auf den Umgang mit seinen leiblichen Eltern hat und dass es ihm schadet, wenn es im Glauben aufwächst, seine Großeltern seien seine Eltern. (Ich denke, das passiert selbst dann, wenn Sie die Absicht haben, dem Kind zu sagen, dass es bei Oma und Oma lebt. Wenn es klein ist, wird es Sie für Mama und Papa halten).

Denken Sie nochmal gründlich darüber nach, was Sie genau wollen. Adoption z.B. hieße, das Kind wird deutsch, die Mutter gibt alle Rechte auf, es gibt kein Zurück, es ist auch ein Eingriff in die Erbfolge etc.. Was ist, auch das muss man sich schließlich fragen, wenn Ihre eigene Ehe scheitert? Wollen Sie dann für Ihr Enkelkind Unterhalt zahlen?

Noch ist das Kind nicht geboren, es sollte auch eine ganze Weile bei seiner Mutter bleiben, um gestillt zu werden. Wie wird sie darüber denken, das Kind danach abzugeben? Soll sie wirklich für immer darauf verzichten? Oder soll sie das Kind regelmäßig besuchen?

Wenn ich Sie richtig verstehe, wünschen Sie vor allem, dass die werdende Mutter ihre Ausbildung beendet. Ihr dabei zu helfen, ist natürlich schwer, da Sie so weit weg leben. Ansonsten könnten Sie das Baby bis zum Abschluss der Ausbildung betreuen und zugleich Kontakt mit der Mutter halten, bis diese ihre Rolle voll wahrnehmen kann. Ein Kleinkind nach zwei, drei Jahren Deutschland zu einer unbekannten Mama zurück zu schicken, dürfte extrem traumatisch sein. Vielleicht ließe sich ein zuverlässiges einheimisches Kindermädchen für das Baby finden?

Ich lese aus Ihrem Brief einen leisen Vorwurf an die Tochter bzw. die Tante heraus, die nicht aufgepasst haben. Aber ungewollte Schwangerschaften passieren nun mal, das kann auch der Tochter passieren, die unter Ihrer Obhut aufwächst. Am besten ist es dann, nur noch zu fragen: wie weiter? Alles andere führt sowieso zu nichts... Ich hoffe, Sie denken lieber weiter vorwärts.

Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie eine Lösung finden, mit der alle Beteiligten gut leben können. Ich denke da auch an die Familie des Kindesvaters. Diesen Teil der Familie würde das Kind nie sehen, oder? Was Sie im Wunsch zu helfen vorhaben, ist ein gravierender Eingriff in das Leben mehrerer Menschen. Ich wüsste, ehrlich gesagt, selbst nicht, wie ich mich entscheiden würde. Einerseits kann ich mir vorstellen, dass das Kind bei Ihnen gut aufgehoben ist, zumal es auch eine achtjährige "Schwester" gäbe. Andererseits bin ich doch der Meinung, dass Mutter und Kind nur getrennt werden sollten, wenn es wirklich gar nicht anders geht.

Tut mir leid, dass ich nichts Konkreteres sagen kann. Ein Anwalt wird Ihnen eher weiterhelfen. Alles Gute für Sie!

Uta A.

Veröffentlicht am 25. Oktober 2007. (1667 Tage alt) in Kummerkasten
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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