Unfallfolgen

Gestern kam Anton total ramponiert nach Hause: dreckig, Nase aufgeschrammt, in der Unterlippe ein tiefer Riss. Bruno, der mit ihm unterwegs gewesen war, verzog sich hastig in sein Körbchen.

„Wer war das?!“, brüllte Roland und ballte seine Lehrerfäustchen. „Sag’s mir!“

„Würdest du dich für mich schlagen, Papa?“, schniefte Anton begeistert.

„Klar, häm, naja....“, wand sich Roland. „Kommt drauf an, mit wem.“

Anton drehte sich enttäuscht von ihm weg und kippelte an seinem linken Schneidezahn. „Bei Kindern wird sowas wieder fest“, tröstete Wiebke. „Jedenfalls, wenn die Wurzel noch OK. ist. Es gibt auch schon ganz tolle Kunstzähne aus Keramik, besser als echt.“

„Jetzt sag endlich, was los war“, verlangte Brigitte, schubste Anton auf eine aufgeschnittene Mülltüte, damit er nicht den Teppich voll blutet, und bepinselte seine Nase mit Jod. Dann stopfte sie kleine Röllchen aus Klopapier hinein.

„Ich konnte gerade freihändig Fahrrad fahren“, heulte Anton. „Aber dann hat Bruno eine Katze gesehen...“

„Acht Monate Welpenschule!“, wütete Roland. „Und was hat der Hund gelernt? Leckerli fressen! Kein Benehmen, keine Disziplin! Diese verdammten Lehrer sind total unfähig!“

„Die wollten doch nur, dass Bruno gerne lernt“, näselte Anton. „Die sind für Belohnung und gegen Gewalt. Mit denen kannst du dich schlagen, Papa.“

Veröffentlicht am 17. Januar 2008. (1586 Tage alt) in Kussmann
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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