Innere Sicherheit
„Bring’ mir Zitronensäure mit“, bat Brigitte gestern Anton, der gerade einkaufen gehen wollte. „Die in dem weißen Eimerchen, du weißt schon.“
Sie schwört auf das Zeug zum Entkalken. Was nicht in ein Zitronensäurebad getaucht werden kann, wird eingepinselt. Letztens der anderthalb Meter hohe antike Terrakotta-Samurai aus unserem Garten. Danach war die Patina ab. Der alte Krieger strahlte rosig-orange wie Dieter Bohlen nach Solarium.
Ich würde das nicht als Erfolg werten, aber Brigitte war begeistert.
„Guck mal, wie neu!“, sagte sie zufrieden.
Die Duschköpfe in Küche und Bad müssen regelmäßig dran glauben. Dass die Zitronensäure mehr als nur die Kalkränder beseitigt, versetzt meine Frau in respektvolle Bewunderung.
Mich in kalte Wut. Ich muss jedes Mal sämtliche Gummidichtungen erneuern!
Warum begnügt sich Brigitte nicht mit den normalen Waffen einer Frau wie Spüli oder Frosch-Essigreiniger? Warum kann sie nicht wenigstens ihre Zitronensäure nach Vorschrift verdünnen? Hoffentlich bin ich schon tot, ehe sie noch versucht, das Ätz-Pulver inwändig gegen Gefäßverkalkung einzusetzen.
„Deine Wunderwaffe kriege ich nicht, Oma“, erklärte Anton. „Ich hab keinen Ausweis.“
Er hat neulich Nachrichten geguckt. Wer Chemikalien kauft, muss sich ausweisen, hieß es. Alles, was man für Bomben braucht, gibt’s nur noch in homöopathischen Dosen. Säuren sowieso, die sind für Zeitzünder. Der Verfassungsschutz hockt sozusagen gleich hinter der Ladenkasse.
Roland tippte sich an die Stirn und brabbelte was von Europa und offenen Grenzen.
Ich find’s gut! Und wenn der Schäuble Zitronensäure ganz verbietet, sag ich auch nichts gegen. Für die innere Sicherheit ist es auf jeden Fall besser.


