„Das Geheimnis meiner türkischen Großmutter“

Der erste Roman der Journalistin Dilek Güngör, Jahrgang 1972, die mit einer wöchentlichen Kolumne über Ereignisse in ihrer deutsch-türkischen Familie in der "Berliner Zeitung" bekannt wurde.
Zeynep und ihre Eltern leben in Deutschland, Großmutter Fatma in einem kleinen anatolischen Dorf. Sie ist 80 als es heißt, sie liege im Sterben. Die „deutsche Verwandtschaft“ reist an. Zeynep, 31, mit gemischten Gefühlen.
Einerseits ist ihr die alte Frau ziemlich egal, die sie nur zehnmal in ihrem Leben sah und deren 30. oder 40. Enkelin sie ist. Andererseits ist sie neugierig und hat gerade nichts zu tun. Böte sich da nicht ein Film an: „Fatma erzählt“? Sie würde am Bett sitzen, eine kleine Videokamera liefe im Hintergrund mit. Vielleicht wäre ein Fernsehsender an dem „authentischen Material“ interessiert...
Alles kommt anders. Zeynep darf gar nicht erst in die Stadt, um eine Kamera zu kaufen. Was in der Familie geschieht, bestimmt Onkel Mehmet. Wir erfahren, warum, und wie sich das anfühlt für eine junge Frau, die das Dienen und Unterordnen nicht kennt. Oder doch? Wie war das eigentlich mit Stefan, dem deutschen Freund – und Vorgesetzten?
Fatma hat noch Zeit für Zeynep, die beiden reden. Sie sehen einander ähnlich, sie haben dieselbe Art, das Leben nüchtern zu betrachten, sie fassen Vertrauen und Zuneigung. Trotzdem kommt es schließlich zu einem heftigen Krach, bei dem keine die andere schont.
Güngör, in Deutschland geborene Tochter türkischer Einwanderer, schreibt lakonisch, witzig und ohne verklemmte „political correctness“ über Schnittstellen deutscher und türkischer Kultur. Die alte Fatma ist eine Hauptfigur, die unser klischeehaftes Türkenbild infrage stellt und sogar Zweifel an der „gefühlten“ Vormachtstellung der Männer aufkommen lässt.
U.A.


