Verbünden sich Oma und Sohn gegen Mama?

Hallo,

meine Schwiegermutter betreut meinen Sohn seit er neun Monate alt ist. Dafür bin ich ihr dankbar, ich wusste ihn bei ihr in guten Händen. Aber es wurde mir oft zu viel, weil sie mir so sehr viel näher kam als ich das wollte.

Als mein Sohn 2 war, bekam ich endlich den ersehnten Krippenplatz. Nur noch einmal in der Woche geht er seitdem zu Oma. Für mich sind die Krippentage himmlisch, weil ich ihn dort ohne Stress abholen kann.

War er bei Oma, geht abends das große Theater los: nein, ich will nicht nach Hause, ich will noch spielen, Film sehen, was auch immer.... und Oma steht daneben und geniesst das und fängt allen Ernstes an, ihn zu trösten, weil er zu seiner Mama "muss".

Mich macht das rasend. Zumal, bei Oma darf er alles, bekommt alles, bestimmt das Programm (jetzt auf den Spielplatz, jetzt zum Spielzeugladen, jetzt auf Opa reiten..) Ich dagegen versuche gerade, ihn zu erziehen - fordere ihm auch manchmal Unangenehmes ab (räum dein Spielzeug weg, mach das Klebrige, was du auf dem Sofa hinterlassen hast, weg) oder sage auch mal nein...Dann heult er und sagt: ich will zu Oma.....

Ich erlebe diese kleinen Erpressungsversuche als sehr belastend und bin unsicher, wie ich reagieren soll: Meine Schwiegermutter ist vordergründig sehr nett und behauptet immer, wie sehr sie alles so macht, wie ich es auch mache. Aber wenn ich meinen Sohn von ihr abhole, will sie ihn gar nicht gehen lassen und hält ihn auf dem Arm, so dass er mich gar nicht begrüßen kann, ohne dass ich sie beide umarme....

Eine offene Aussprache ist schwierig, da sie immer sehr schnell beleidigt ist ("Nach allem, was ich für euch tue!") Und sie tut ja nichts Böses, es ist alles nur so subtil - ihr tadelnder Blick, wenn ich meinem heulenden Kind sage - so, jetzt ist der Tag bei Oma um, zieh bitte deine Schuhe an - und sie lehnt sich zurück und tut nichts, damit ich aus dem Haus kann, sondern bietet ihm noch ein Spielzeug an. Oder redet auf ihn ein, dass er ja bald wieder kommt. Oder redet auf mich ein, dass ich ihn noch ein bisschen da lassen soll, sie bringt ihn dann.... Dabei will ich nur endlich mit meinem Sohn zusammen nach Hause...

Bin ich unnötig eifersüchtig? Oder versucht hier eine Oma, sich zwischen Kind und Mutter zu stellen?

Grüße, Nadina

Liebe Nadina,

das sieht nach einer stillen, aber heftigen Konkurrenz ums Kind aus. Die Oma kann nicht loslassen, im wahrsten Sinne des Wortes. In naher Zukunft wird sie es wohl müssen, die Elternrolle steht den Eltern zu.

Dass Ihre Schwiegermutter sich damit schwer tut, ist verständlich. Aus ihrer Sicht heißt das ja: Danke, tschüss, das war’s, du wirst nicht mehr gebraucht... Das tut weh. In der langen Zeit seit seinem 9. Lebensmonat ist sie ja mit Ihrem Sohn zu einer Art "Liebespaar" zusammengewachsen, das seine eigenen Rituale und Sprache hat. Wahrscheinlich entwickelte sie sogar Mutter-Gefühle. Es war ja kein "Job", sondern Alltag mit einem dem eigenen Sohn ähnlichen, tief vertrauten Kind.

Kein Zweifel: Selbst mit Mamas Wünschen im Kopf und besten Absichten hat Schwiegermutter doch alles so gemacht, wie sie es wollte – und konnte. Und Ihr Sohn ist auf sie eingespielt. Das war (leider!!) der Preis für Ihre Chance im Job. Ältere Leute lassen sich kaum fernsteuern, dominante Schwiegermütter schon gar nicht. Wenn das Enkelkind ein wenig von ihrem Geist mitbekommt, ist das gar nicht schlecht. Auf Dauer den Einfluss auf sein eigenes Kind zu verlieren, ist allerdings nicht hinzunehmen.

Den jetzigen Mix aus Krippen- und Oma-Betreuung sehe ich als eine Art Schonfrist. Gut gemeint, damit der Kontakt nicht jäh abbricht (eventuell auch für Ihren Job nötig, weil die Krippe manchmal zumacht, während Oma nie zumacht) aber vielleicht ein Fehler. Der Krippenplatz wäre ein guter Anlass gewesen zum Ausstieg.

Der ist fällig, habe ich beim Lesen Ihres Briefes gedacht. Auch weil Sie mit Ihrer Schwiegermutter innerlich nicht ganz einverstanden sind, was, wie mir scheint, auf Gegenseitigkeit beruht. Normalerweise würden sie beide ihre Kontakte beschränken und auf Distanz bleiben. Das geht nicht. Also löst Ihr Erscheinen bei Oma Stress aus, während Sie so schnell wie möglich mit Ihrem Sohn flüchten wollen. Das kann kein Dauerzustand sein! Es wäre an der Zeit, sich von der Abhängigkeit zu befreien, um einander auf Augenhöhe – ohne Zwang zu Dankbarkeit – begegnen zu können. Dann können sie einander auch mehr nachsehen.

Vielleicht setzen Sie eine Frist, etwa den dritten Geburtstag des Kindes, und geben es von da an nur noch in die Kita. Der Oma-Kontakt bleibt auch bestehen, wenn es relativ regelmäßig, ev. 14-tägig, einen Oma/Opa-Nachmittag gibt. Gestalten Sie den Abschied festlich, sagen Sie nochmal in aller Form Dankeschön. Papa kann sich da ruhig mal was einfallen lassen. Früher oder später wird die Oma ihre wieder gewonnene Freiheit auch schätzen. Wenn sie in der kürzer gewordenen Enkelzeit das Kind nach Strich und Faden verwöhnt, ist das nicht schlimm.

Bis dahin sollten Sie versuchen, beim Abholen des Kindes entspannt und fröhlich zu sein und sich möglichst nicht aufzuregen, auch wenn es schwer fällt. Überlegen Sie, ob Sie eine Kind-Übergabe auf neutralem Gebiet (Park) einrichten. Holen Sie den Jungen in "Omas Revier" ab, haben Sie dort weniger zu sagen als Oma. Allen Beteiligten ist das unbewusst klar. Keine besonders komfortable Rolle für Mama. Man muss manchmal ganz schön schlucken.

Eine heimtückische Verschwörung der Oma mit einem 2 3/4-Jährigen würde ich aber nicht sehen. Ihr Sohn fällt Ihnen zur Begrüßung nicht um den Hals, denn Ihr Erscheinen bedeutet tatsächlich einen Einschnitt, eine Störung. (Es ist nicht nur so, weil er auf Omas Arm ist.) Er weiß, er soll jetzt alles fallenlassen, sich anziehen, „umschalten“... Große Verlockungen kommen erstmal nicht... Logisch, dass er Zoff macht und die mit ihm fühlende Oma ausnutzt. Bewusstes Gegeneinander-Ausspielen ist einem knapp Dreijährigen noch nicht gegeben. Erst später sind Kinder zu wirklich berechnendem Verhalten fähig.

Versuchen Sie, Ihr Kind nicht unter Zeitdruck abholen. Wäre der Junge tagsüber bei Ihrer besten Freundin gewesen, würden Sie mir ihr vielleicht erstmal einen Kaffee trinken und sich erzählen lassen, was es tagsüber so gab, was das Kind gesagt oder getan hat. (In der Krippe kommt gerade sowas manchmal zu kurz) Vielleicht könnten Sie den Fluchtreflex, der bei Ihnen bei der Schwiegermutter einsetzt, etwas unterdrücken, ihr und dem Kind ein wenig zusehen, ein paar tagesbezogene lobende Worte finden... Das wäre Frieden stiftend.

Zum Benehmen Ihres Sohnes: Nicht alles, was Ihnen an ihm zurzeit nicht gefällt, geht auf Omas Konto. Ab etwa zweieinhalb beginnt das Trotzalter. Kinder sind dann mitunter sehr tyrannisch und befehlend. Es handelt sich, sagen Experten, um einen Reifeprozess, der ausgelebt werden muss. Sie wollen Widerstand, an dem sie wachsen können. Als Experiment für Widerstände, die im Leben noch kommen. Omas Nachgiebigkeit verzögert das. Das Kind, das seinen Willen testet, will Grenzen spüren und sich daran messen. Es will einen willensstarken Gegenspieler, kein „Weichei“.

Gut, dass Ihr Sohn eine taffe Mama hat. Oder liefert er sich mit Oma auch gelegentlich kleine Schlachten? Es wäre toll, wenn sie mit Ihnen über so etwas reden würde, statt Ihnen seelische Nadelstiche zu versetzen.

Kurz vor der Trotzphase, die bei Jungen manchmal etwas später kommt als bei Mädchen, gibt es angeblich eine Phase der Vorbereitung auf diese große Veränderung. In dieser Zeit sind Kinder ziemlich fixiert auf feste Alltagsroutine, brauchen viel Ruhe und Schlaf, eine unveränderte Umgebung und vertraute Verhältnisse. Wäre Ihr Sohn jetzt in diesem Stadium, würde das auch seine Quengelei erklären, die der stressige Wechsel zwischen Krippe, Oma und Mama bei ihm auslöst.

Das wär’s eigentlich, was ich aus der Ferne zu sagen hätte. Schalten Sie auf einen neuen Lebensabschnitt um, ohne Oma auszugrenzen. Sie hat das nicht verdient, denn sie hat allerhand geleistet, so gut sie eben konnte. Das wissen Sie ja selbst.

Uta A.

Eins noch: Versuchen Sie, das Erziehen zum Aufräumen etwas lustbetont zu gestalten. Autos parken nachts etc. ... Puppen gehen schlafen... Machen Sie ein bisschen mit und tun Sie so, als ob Aufräumen Spaß macht. Dann ist da Wort nicht gleich so negativ besetzt, dass es immer Frust auslöst.

Veröffentlicht am 26. September 2007. (1696 Tage alt) in Kummerkasten
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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kussmann