Oma Colorado, 14 Monate später

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Marina Kristin, zwei Monate nach ihrem ersten Geburtstag. Foto: privat

Auf den Tag so alt wie dieses Magazin ist Marina Kristin, die Enkeltochter von Christine Schmitt-Schablitzki. GrosselternReport begleitet die beiden seit Juni 2006. (Teil 6)

Christine Schmitt-Schablitzki, 70, ist geschieden und lebt mit ihrem Partner im Taunus in der Nähe von Frankfurt am Main. Die gelernte Verlagskauffrau hat einen Sohn, ist belesen, reiselustig und leidenschaftliche Camperin. Wir trafen sie im Chat des Seniorentreffs, wo sie unter dem Nickname „Colorado“ bekannt ist.

Hallo, Christine, wie geht’s deiner kleinen Marina?

Ich war in den USA zum Campen und habe sie nach ihrem ersten Geburtstag vier Wochen lang nicht gesehen. Der kleine Holz-Puppenwagen, ihr Geschenk, rollte ihr damals immer weg. Jetzt zieht sie sich daran hoch und schiebt, wenn auch mit etwas Hilfestellung, damit herum. Es ist ein Wahnsinn, wie schnell sich Kinder im ersten Jahr entwickeln, faszinierend! Ich muss jetzt doch mal bekennen, dass ich mit dem Baby recht wenig anfangen konnte. Aber nun wird es von Woche zu Woche spannender.

Hat sie dich gleich wiedererkannt?

Natürlich, gar kein Problem. Sie kommt gern auf meinen Arm. Fremdelt überhaupt nicht. Winkt den anderen „tschüss!“ zu, und dann gehen wir. Egal, wohin, sie findet alles interessant. Den Park, die Schaukel, die Ställe der Kleintierzüchter, die ich entdeckt habe... Marina spricht zwar noch kaum etwas, aber sie kennt sich in ihrer Welt ganz genau aus, versteht alles und macht jedem klar, was sie von ihm möchte.

Was ist es bei Dir?

Es gibt Spielsachen, die nur benutzt werden, wenn ich da bin. Danach räumen die Eltern sie weg. Ich finde, so ist es für das Kind abwechslungsreicher. Marina kennt jeden Gegenstand und freut sich drauf. Ein Sortiment von kleinen Dingen hab ich immer in der Handtasche. Zum Beispiel eine Brezel aus Keramik mit Magnet, diesen erkennt sie in ihrem Bilderbuch immer wieder und zeigt drauf und sagt „da!“ Aber lange wird es nicht mehr dauern, bis sie Dinge benennen kann. Ich bin jetzt ein, zweimal in der Woche jeweils für vier Stunden oder länger mit der Kleinen allein, nachdem ich sie von der anderen Oma abhole. Ich rede und erzähle gern, sie hört gern zu.

Als Bücherwurm hast du dich bestimmt aufs gemeinsame Bilderbuch-Gucken gefreut...

Oh ja. Das tun wir schon ausgiebig. Ein Buch, in dem eine Maus eine kleine Ente sucht, ist gerade der Favorit. Auf jeder Seite gibt es etwas zum Ausklappen, eine Tür, eine Truhe oder so etwas. Das Kind weiß fast besser als ich, was wo drunter steckt – und quietscht vor Freude, wenn es am Ende die kleine Ente findet, - die liegt im Bett. Bald kommen auch die alten Kinderbücher von meinem Sohn zum Einsatz.

Die hast Du aufgehoben?

(Lacht) Ich kann mich von Büchern nun mal schwer trennen! Vor meiner Scheidung habe ich einige Dinge meines Sohnes mitgenommen, hauptsächlich alle Kinderbücher und die Matchboxautos. Mein Ex hat die schöne große Holzeisenbahn und die Matchboxbahn, die mit Batterien auf Schienen fährt. Noch ist Marina dafür zu klein. Sie mag jetzt vor allem Fingerspiele, Teddys, Puppen... Alles, was rasselt und klappert. Und, erstaunlicherweise, meinen Modeschmuck.

Warum wundert dich das?

Von Ihrer Mutter kann sie das nicht haben, die trägt kaum welchen. Marina dagegen ist eifrig dabei, sich mit Ketten und Armreifen zu schmücken. Vielleicht kommt das von mir. Wie die blauen Augen. Die haben in der ganzen Familie nur wir beide.

Das klingt ja richtig verliebt...

Stimmt. Wahrscheinlich findet ja jede Oma ihr Enkelkind hübsch. Aber dieses zarte kleine Mädchen ist wirklich entzückend. Sie lacht so schelmisch, verbreitet einfach ansteckende Freude. Sie reißt auch nicht mehr an den Haaren, sondern streicht mir ganz sanft übers Gesicht und kuschelt sich an wie eine kleine Katze...

Ist es dir wichtig, die jungen Eltern zu entlasten?

Sie nutzen gern die freie Zeit, um mal in Ruhe länger zu arbeiten. Seit sie ein kleines Reihenhaus gekauft haben, tun sie dort viel am Wochenende. Normalerweise würde ich mich nicht einmischen, sondern mich zuhause aufs Sofa legen und lesen. Jetzt nehme ich die Kleine. Aber ich tu’s in erster Linie für sie – und für mich selbst, nicht für ihre Eltern. Ich mach’s gern, sonst würde ich es nicht machen.

Strengt es dich an?

Also, man muss immer hellwach sein. Jede Minute aufpassen. Tragen, zugreifen, wenn sie auf ihrem dicken Windelpo sitzt, sich hochzieht und laufen will. Überhaupt spielt sich viel auf dem Fußboden ab. Ihre Lauflernübungen sind anstrengend, denn sie ist klein, man läuft gebückt, wenn man sie an der Hand hält, und das geht ganz schön über den Rücken. Hinterher bin ich immer müde, aber zufrieden und glücklich.

Findest du, dass dich die 14 Monate mit Marina verändert haben?

Doch, schon, so ein Kind verändert einen tatsächlich. Ich interessiere mich für Dinge, die mir früher gleichgültig waren. Ich spreche Menschen an und werde angesprochen, mit denen ich früher nicht geredet hätte. Junge Mütter, Rollstuhlfahrer im Park... Ich habe Lieblingsplätze, an die ich ohne Marina nie gegangen wäre, zum Beispiel die Kleintierställe. Vieles habe ich natürlich früher schon gesehen, etwa Blumen oder die frechen schwarzen Raben. Jetzt achte ich aber mehr darauf. Es ist ein bisschen als ob ich die Welt mit Kinderaugen sehen würde.

Gab es auch Sorgen oder Ängste seit Marinas Geburt?

Natürlich hatte ich Angst vor Krankheiten und ich wusste auch nicht wieviel Zeit ich mit Marina verbringen würde. Aber Gott sei dank lief bei uns bisher alles glücklich und harmonisch. Nur einmal gab es einen großen Schreck. Im Park sprang plötzlich ein großer Schäferhund am Kinderwagen hoch und wollte Marina lecken. Ich wollte mich gerade dazwischen stürzen. Da kam die andere Oma gerannt. Es war ihr Hund, den ich noch nicht kannte. Normalerweise lässt er niemanden auch nur in die Nähe des Kinderwagens. Ich hatte Glück. Mich hat er offenbar als Oma akzeptiert.

Veröffentlicht am 24. Juli 2007. (1656 Tage alt) in Vorgestellt
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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