Blattläuse
„Auf den Johannisbeerstäuchern sitzen tausend grüne Viecher“, teilte uns Anton gestern angeekelt mit als er aus dem Garten kam.
„Das sind keine Viecher, Anton“, belehrte ihn Beate mit ihrer tantigsten Stimme. „Das sind kleine Blattläuse, Geschöpfe der Natur.“
„Naund?“, murrte Anton. „Mir doch egal. Die Johannisbeeren könnt ihr jedenfalls alleine essen. Wenn da überhaupt welche wachsen.“
„Aber ja“, versprach Beate. „Wir müssen nur die Natur wieder ins Gleichgewicht bringen. Die natürlichen Feinde der Blattläuse aktivieren. Zum Beispiel Ohrenkneifer. Ich werde Ohrenkneifer-Kugeln aufstellen....“
Sie eilte davon, um in ihren Weichei-Garten-Katalogen ein günstiges Angebote für Insektenhotels rauszusuchen.
Anton zuckte resigniert die Schultern. Dass seine grün tickende Stiefmutter im Kampf gegen die Blattläuse kläglich unterliegen würde, stand für ihn völlig außer Zweifel.
„War die Natur früher auch schon aus dem Gleichgewicht, Opa?“, fragte er besorgt.
Der Junge tat mir leid. Diese moderne Umwelterziehung hat ihn völlig verunsichert. Neulich weigerte er sich sogar, in den Wald zu pinkeln. Wenn mir nicht rechtzeitig eingefallen wäre, dass manche Leute ihren Urin sogar trinken, um gesund zu bleiben, hätte er glatt in die Hosen gemacht.
„Na logisch war die aus dem Gleichgewicht, die Natur“, tröstete ich ihn. „Und wie. Aber Oma hat dann immer ein bisschen Gift gespritzt und alles war wieder gut.“
Anton atmete erleichtert auf.


