Hunde-Sitting
„Kannst du mal auf Barry aufpassen?“, bat mich Ede gestern. „Er macht nur Mist, wenn er alleine zuhause ist.“
Stimmt. Hat mir Erika schon erzählt. Neulich verwandelte das liebe Tier in nur einer Stunde den Inhalt des Zeitungsständers in Konfetti . Um die Teppichfransen durch heftiges Scharren und Nagen auf 50 Zentimeter zu verlängern, brauchte er noch weniger.
„Die Seele rebelliert“, sagte Beate, die Tiere als Vorstufe des Menschen ansieht. „Gerade bei Hunden. Die sind Rudeltiere. Die können nicht einsam sein.“
Katzen sind keine Rudeltiere. Aber Sybilles Kater Cosima kackt zum Beispiel immer in die Badewanne, wenn Sybille seiner Meinung nach zu lange weg ist.
Beate glaubt in diesem Fall allerdings, dass Cosi sein Trauma auslebt, mit einem falschen Namen rumlaufen zu müssen. Nur weil ihm Sybille seinerzeit nicht richtig unter den Schwanz gucken konnte. Oder wollte.
Ich habe auch von einem Vogel gehört, der nach einem Wochenendausflug seiner Besitzer nackt auf der Stange saß. Total mit ohne Federn!
Dabei war er gar nicht alleine gewesen. Nicht wirklich, jedenfalls. Die Leute hatten Fernsehen angelassen. Video, genauer gesagt. Tierfilme und Familienfilme. Trotzdem hat sich das Vieh alle Federn rausgerissen. Vielleicht gerade deshalb, sagt Beate. Klassische Musik wäre besser gewesen.
Ich bin mir das nicht so sicher. Für einen Papagei wäre eine Talkshow das Richtige gewesen.
Kurz und gut, da Ede mit Erika und Barry nun schon vor der Tür standen, sagte ich: „Bruno hat zwar lieber Hündinnen zu Besuch. Aber gebt ihn ruhig her, euren missratenen Köter.“
Erika fuchtelte mit den Händen, sagte aber nichts, und schlich höchst sauer hinter Ede her aus dem Haus. Kann sie sich von Barry nicht trennen? Hätte ich „missraten“ nicht sagen dürfen?
Ich fragte Beate, die sich mit Frauenseelen auskennt.
„Die hat gehofft, dass Barry sich den Teppich noch mal vornimmt, logisch“, sagte sie ohne langes Nachdenken. „Dann ist der nämlich völlig hinüber und sie kriegt einen neuen.“
Ich sah auf Barry herunter, der freundlich mit dem Schwanz wedelte. Kann man nix gegen sagen. Hübscher junger Hund voller Tatendrang.
„Ich sperr dich jetzt in ein Zimmer mit sehr hässlicher Auslegware“, sagte ich ihm. „Du weißt, was du zu tun hast.“


