Hundebedarf

„Meinst du, Bruno ist traurig, weil niemand ihn liebt?“, fragte mich Wiebke gestern.

„Wieso?“, sagte ich, „Wir lieben ihn doch alle.“

„Ich meine nicht das“, druckste Wiebke. „Ich meine, er hat keine echte Liebe. Ähm, naja, also er hat keinen Sex.“

Ich ließ mich in meinen Fernsehsessel plumpsen.

Jeder Mensch sollte einen Platz auf der Welt haben, an dem er sich unantastbar und sicher fühlt. Ich kann mich nicht erinnern, jemals mit Wiebke über Sex gesprochen zu haben. Und jetzt sogar bei Hunden. Wo um alles in der Welt war eigentlich Brigitte?!

„Weiß ich nicht, ob Bruno ohne Sex glücklich ist, ich bin kein Hund“, sagte ich. „Vielleicht fällt es ihm gar nicht auf. Er macht ja sehr viel Sport.“

Wiebke sah mich an forschend an. Ihr Blick ähnelte dem meiner Mutter, wenn sie meinen Ausreden auf die Schliche kommen wollte. Das ist jetzt 60 Jahre her und ich habe sie nicht sinnlos verstreichen lassen: Am besten zieht man sich mit weiterführenden Gegenfragen aus der Schlinge.

„Wie kommst du eigentlich darauf“, fragte ich.

„Internet“, sagte Wiebke. „Ich hab gegoogelt: FREIZEIT und TIERE. Dann kam so eine Anzeige: Sexpuppe Hotdoll befriedigt Hunde. Es gibt sie in zwei Größen. Und Fakt ist: Wenn es ein Angebot gibt, gibt es auch einen Bedarf.“

Sieh einer an, das Kind hat nicht umsonst Wirtschaftskunde.

Ich fühlte mich besser. „Irgendwas stimmt da nicht“, sagte ich mit fester Großvaterstimme. „Hunde können nicht lesen. Sie haben auch kein Geld. Wir reden morgen drüber. Such mir jetzt erst mal die Internetadresse raus.“

Inspiriert schwang ich mich aus meinem Sessel. Das Leben im 21. Jahrhundert steckt doch voller Überraschungen. Sexpuppe Hotdoll!! Vielleicht ist ja ein scharfes Bild dabei.

Veröffentlicht am 19. Dezember 2009. (777 Tage alt) in Kussmann
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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