Großeltern und Schule

Sparschwein
Für eine Eins einen Euro ins Sparschwein? Sich für jede einzelne gute Zensur um Geld anzapfen zu lassen, ist nicht die beste Idee beim Umgang mit Schulkindern. Foto: U. Alexander

„Es muss ... wenigstens einen Ort geben, an dem die ganze Zensiererei nicht so wichtig ist!“, meint Psychologin Helga Gürtler. Und das kann das Zuhause von Oma und Opa sein.

In Ihrem Buch „Das Glück einer besonderen Beziehung“ rät sie Großeltern: Halten Sie sich beim Thema Schule mit Ratschlägen weitgehend zurück.

Neue Schulformen, Lerninhalte und -methoden bewirken, dass es eher Unterhaltungs- als Nutzwert hat, was die ältere Generation über ihre Schulzeit berichtet. Verlieren Sie sich also nicht unnötig in Details darüber, wie man heute Lesen und Schreiben (oder was auch immer) lernt. Loben Sie lieber allgemein das Kind, wenn es eine gewisse Frustrationstoleranz erwirbt und bei Rückschlägen nicht die Flinte ins Korn wirft.

(Ausnahme: Wer Enkel regelmäßig nachmittags betreut, beim Hausaufgaben-Machen zuschaut oder hilft und mitgebrachten Kummer hautnah erlebt, sollte sich schon ein Urteil bilden und Kontakt zu Lehrern aufnehmen.)

  • Fragen Sie ein Schulkind nicht immer als erstes nach der Schule. Es gibt genug andere Themen im Leben. Sie bekämen sowieso nur eine ausweichende Antwort. „Wie läufts’s? Ähm, geht so...“ Wenn es erzählen will, wird es das schon tun.

  • Gerade wenn Eltern ihre Kinder aus Zukunftsangst oder Ehrgeiz unter Leistungsdruck setzen, sollten die Großeltern signalisieren, dass Zensuren nicht der einzige Wertmaßstab sind, an dem ein Kind gemessen wird.

  • Lassen Sie sich nicht für jede gute Zensur um Geld „anzapfen“. Der schönste Lohn für eine Leistung ist die Freude an der Leistung selbst. Ist es nicht toll, wenn das Kind endlich Einkaufszettel entziffern oder Straßenschilder lesen kann?! Oder die erste selbst getippte SMS absetzt?

  • Wenn Sie nach der Zeugnisausgabe ein „Giftblatt“ präsentiert bekommen, sollten Sie nicht in das Wehklagen (oder Drohen) der Eltern einstimmen. Begehen Sie gemeinsam den Abschluss des Schuljahres, zeigen Sie Zuversicht, dass sich im nächsten die Mühe mehr lohnen wird.

  • Spielen Sie niemals Schulleistungen von Geschwistern gegeneinander aus. Das Blatt kann sich sehr schnell wenden. Es gibt immer einmal Phasen, in denen Kindern andere Dinge wichtiger sind als Schule, zum Beispiel ihr Sport. Oder die Liebe.

  • Teilen Sie das Kinderleben nicht auf in Spiel und Ernst. Die Grenzen sind fließend. Auch Lernen ist Spaß und Spiel ist Lernen.

  • Fallen Sie nicht aus allen Wolken, wenn die Enkel heftig über Lehrer herziehen. Hören Sie einfach geduldig zu. Wissen Sie, dass sonst niemand Partei für das Kind ergreift, tun Sie es.

Interessanter Text über Sinn und Unsinn von Zensuren: "Wie werden Kinder klüger?/ Elite ohne Leistungsdruck"

Für das Seelenheil besorgter Großeltern: Liste prominenter Studienabbrecher

Veröffentlicht am 8. Mai 2007. (1734 Tage alt) in Von Null bis 18
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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kussmann