Familienprogramm
Mir ist saulangweilig, sagte Anton gestern und guckte hoffnungsvoll zum Fernseher.
„Keine Chance“, sagte Brigitte.
Bei uns gilt abgewandelt die Regel von Queen Mum, „Kein Gin vor sechs“: Keine Glotze vor 18 Uhr!
Mit Ausnahme einiger Ausnahmen, zum Beispiel Fußball.
Ich denke mal, die Royals kennen das und sehen das wie ich: Ausnahmen sind was Positives. An harten Tagen schüttet man sich den Gin eben in den Vier-Uhr-Tee. Danach kehrt man geläutert zur Ordnung zurück. So festigen Ausnahmen die Regeln.
Sie haben’s ja auch nicht leicht gehabt mit Lady Di und so.
Aber alles geht einmal vorbei.
Ich mache jetzt zum Beispiel mit Formel 1 keine Ausnahme mehr. Dafür hab ich mir früher den Wecker auf vier Uhr morgens gestellt! Muss ich nicht mehr gucken. Jedesmal gewinnt ein anderer. Wer, ist mir egal. Schätze mal, Schumi ist der einzige Deutsche, der das noch guckt.
„Lies was“, sagte Brigitte aufmunternd zu Anton. „Oder mal mal was Schönes!“
Antons Zeigefinger schnellte hoch zur Stirn. Unter Brigittes misstrauischem Blick kratzte er sich aber nur sachte am Kopf.
„Ich könnte dir mal wieder die Haare schneiden“, bot Brigitte an. „Die sind schon viel zu lang!“
„Ich würde dir lieber was in der Küche helfen“, sagte Anton hastig.
„Sag bloß, dir hat die Frisur neulich nicht gefallen“, fragte Brigitte streitlustig.
Ich lehnte mich im Sessel zurück. Familie ist besser als Fernsehen. Und von der Brigitte-Anton-Haarschneide-Komödie kommt bestimmt demnächst Teil 2.


