Betrugsversuch von Wiebke
Gestern fiel Wiebke ein Papierstreifen aus dem Ärmel. Eng beschrieben und winzig klein gefaltet. Alles klar, ein Spickzettel! Ich war ziemlich enttäuscht.
Ich dachte, die Jugend von heute hätte modernere Methoden zum Schummeln entwickelt als wir seinerzeit. Aber nein, es werden immer noch Lehrbücher auf dem Klo deponiert, um während der Klassenarbeit mal nachzuschlagen. Man krakelt sich Stichpunkte auf die Hand oder das Knie. Oder schreibt die ganze Arbeit vor und gibt sie dann ab, vorausgesetzt, man kriegt das Thema rechtzeitig von jemandem aus der Parallelklasse gesteckt.
Wirklich neue Möglichkeiten bietet nur das Handy. Man SMS-st unterm Tisch jemanden an, der sich auskennt. Aber solche Leute sind so selten wie Volltreffer bei Günter Jauch, sagt Wiebke.
Ich schnappte mir ihren Zettel und fragte sie ab. Sie wusste alles auswendig, was draufstand. Brigitte war beeindruckt: „Mein liebes Kind, du hast Spickzettel gar nicht nötig.“
Ich finde Spickzettel sinnvoll. Der Versuch, Wissen maximal zu komprimieren, übt doch ungemein.
„Als Pädagoge wärst du gefährlich, Vater“, meint mein Sohn Roland.


