Pissgelb

Gestern kam ein Notruf von Torsten. Malereinsatz in einem Einfamilienhaus.

Raufaser sollte runter, danach gelbe Farbe ran.

„Die Tapete ist da mindestens schon 15 Jahre dran“, sagte Torsten entschuldigend. „Keine Ahnung, warum es jetzt plötzlich so dringend ist.“

Die Tapete hätte problemlos noch mal 15 Jahre gehalten Sie klebte wie Sau. Sprühen, Spachteln, Sprühen, Spachteln... Ich lief zu großer Form auf. Die Weicheier von „Einsatz in vier Wänden“ wären zusammengebrochen.

Gegen 17 Uhr erschien die Hausbesitzerin.

„Prima, jetzt kommt ein Bier!“, rief ich hoffnungsvoll.

Ihr Blick ließ die Raumtemperatur um zehn Grad sinken. Ich hatte keinen Durst mehr.

Sie ist Chefin von irgendeinem Verein, der mit Menschen arbeitet. Wieso suchen sich solche Leute eigentlich immer dieses Allerwelts-Gelb aus? Wer glaubt, dass es harmonisierend wirkt, sollte mal aufs Sozialamt gehen. Da haben sie es auch.

„Sie können gehen“, sagte die Chef-Tussi. „Wir haben jetzt Feierabend.“

Auf gut deutsch hieß das soviel wie: Hau ab, mein Mann und ich wollen unsere Ruhe.

„Is schlecht jetzt“, setzte ich an, der Frau die Lage zu erklären. Die Tapete war gerade prima durchgeweicht und ließ sich endlich einigermaßen ablösen.

„Ich muss doch sehr bitten“, unterbrach sie mich von oben herab.

Ich packte mein Zeug zusammen.

Mit Menschen arbeiten kann ich auch. Morgen bring ich mir zwei Bier mit und pinkle in die Farbe. Gibt ein schönes Pissgelb für die nächsten 15 Jahre.

Veröffentlicht am 30. März 2007. (1876 Tage alt) in Kussmann
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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