Baby akzeptiert mich nicht als Oma, weil es mich kaum kennt

Mein Sohn (26) und seine Freundin (22) bekamen vor vier Monaten einen Sohn. Mein Mann und ich haben uns sehr darauf gefreut. Die Kindesmutter ist eine Jugendfreundin unseres Sohnes. Beide verbrachten viele Jahre lang gern ihre Zeit bei uns. Mit der Geburt des Kleinen ist alles anders geworden, sie zogen aus und wir werden total links liegen gelassen. Es ist ihnen schon zuviel, uns einmal in der Woche zu besuchen. Stattdessen sollen wir kommen und uns dort um das Enkelkind kümmern, "wenigstes" am Wochenende. Lehnen wir ab, ist die Reaktion so beleidigt, dass ich ein schlechtes Gewissen bekomme.

Mein Mann und ich sind aber erst 50, wir betreiben eine eigene Tischlerei. Ich habe lange Arbeitstage im Büro, abends und am Wochenende erledigen wir Einkäufe und Auslieferungen, so dass wir Enkelbesuche höchstens einmal im Monat machen können.

Meine künftige Schwiegertochter hat sich nun voll auf ihre (Stief-)Mutter konzentriert. Sie ist mit dem Baby viermal in der Woche bei ihr und geht auch am Sonntag dort essen. Mir wären solche Familien-Wochenendessen zuviel, denn ich habe noch vier andere Kinder, außerdem pflege ich meinen alten Vater und mehrere Gräber. Wochenenden sollen meinem Mann und mir gehören, wir brauchen das. Er arbeitet sehr hart und hat ein Problem mit der Lunge.

Jetzt will meine Schwiegertochter arbeiten gehen. Sie will den Sohn dann ihrer 70 Jahre alten Stiefmutter geben. Wenn ich den Kleinen sehen will, müsste ich dorthin gehen, sagt sie. Oder ich nehme ihn ein, zwei Tage in der Woche, was ich aber neben meiner Arbeit gar nicht kann.

Ich habe Angst, dass wir als Oma und Opa von dem Kleinen nicht akzeptiert werden weil wir für ihn fremd bleiben. Ich habe keine Ahnung, wie ich mich richtig verhalten soll.

Sabine O.

Liebe Frau O.,

So wie Sie Ihren Tagesablauf schildern, haben Sie wirklich nicht viel Spielraum. Wenn Sie in der Woche endlich Feierabend haben, ist es ja schon viel zu spät, Besuche zu machen oder Besuch von Sohn, Schwiegertochter und Baby zu empfangen. Das könnte gar nicht entspannt verlaufen, auch für das kleine Kind nicht.

Dass Sie das Wochenende zum Ausspannen brauchen, ist gut nachzuvollziehen. Ich finde es richtig, dass Sie es sich bewusst frei halten möchten. Setzen Sie sich nicht unnötig unter Druck und lassen Sie sich keine Vorwürfe machen. Vergessen Sie das Klischee von der immer präsenten liebevollen Oma, die für den Enkel alles andere hintenan stellt und kocht und backt und spielt. Das hat mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun.

Ich denke, Sie sollten akzeptieren, dass Sie in der Babyzeit dieses Enkels nicht die „Hauptoma“ sind. Die andere Oma ist um einiges älter als Sie und hat jetzt einfach mehr Muße. Soll sie ihre Enkelzeit genießen!

Jemand, der einen selbstständigen Betrieb managt wie Sie, besitzt ganz eigene Qualitäten. Eine Oma und einen Opa zu haben, die etwas bewegen und schaffen, ist eine tolle Erfahrung. Schon mit drei, vier Jahren erleben Kinder so etwas ganz bewusst und es bleibt für das ganze Leben hängen.

Noch ist Ihr Enkel nicht so weit. Für ihn mit seinen vier Monaten ist es bereits anstrengend, zwischen zwei Orten zu pendeln. Und das steht ja bevor, wenn die Schwiegertochter vier Stunden täglich arbeiten geht. Schon das zu organisieren, wird nicht ganz leicht sein. Die Schwiegertochter muss dafür gut planen. Windeln, Pflegesachen, Fläschchen, ein Bettchen usw. müssen bei der anderen Oma deponiert sein.... Man muss sich über vieles absprechen... Es könnte durch die Teilung der Verantwortung für das Kind sogar Komplikationen geben. Die Oma ist also nicht unbedingt zu beneiden. Sie gewinnt zwar etwas, büßt aber auch viel Freiheit ein.

Sie wären damit beruflich handlungsunfähig. Ein drittes Zuhause bei Ihnen wäre für den Kleinen auch zu viel. Ich muss Ihnen nicht ausmalen, wie sich das auswirken würde, schließlich haben Sie selbst Kinder großgezogen.

Beim Lesen Ihrer Zeilen scheint mir, dass Sie einiges dazu beigetragen haben, dass Ihr Sohn und die Schwiegertochter überhaupt ein Paar geblieben sind. Ihnen habe Sie ja lange ein Zuhause auf Zeit geboten. Das wird nicht vergessen, auch wenn Sie jetzt das Gefühl haben, nur die Nummer 2 zu sein. Für Sohn und Schwiegertochter waren die Jugend-Jahre bei Ihnen und mit Ihnen sicher eine prägende Zeit, in der sie viel mehr von Ihnen gesehen und gelernt haben als ihnen derzeit bewusst ist. Sie wenden sich ja auch jetzt nicht von Ihnen ab, sondern wollen Sie bei sich sehen.

Betrachten Sie also die wirklichen Handlungsmöglichkeiten aller Beteiligten ganz pragmatisch so, wie sie sind. Niemand kann es allen recht machen. Verderben Sie nicht Ihre Beziehung zum Sohn und seiner Freundin durch unrealistische Wünsche hinsichtlich des Kontaktes zum Enkelkind. Es gibt nun mal verschiedene, wechselnde Phasen im Leben, und jetzt ist halt eine gewisse Pause und Neuorientierungsphase eingetreten.

Sehen Sie es nicht als gegen Sie gerichtet an. Versuchen Sie, Ihre Ausgeglichenheit, Gesundheit, Ihre Partnerschaft und berufliche Aktivität zu bewahren. Seien Sie nicht eifersüchtig, gereizt, gestresst, beleidigt oder zänkisch. Das vergrault junge Leute nur.

Sagen Sie weiter deutlich, was für Sie geht und was nicht geht. Gemeinsames Essen sonntags ist nicht drin, zum Beispiel. Das ist in Ordnung. Und dass Sie die andere Oma neben Ihrem Job regelmäßig ablösen, geht auch nicht. Das ist eine klare Ansage. Im Gegenzug meinen die jungen Leute offenbar, dass sie Sie jetzt nicht einmal in der Woche mit dem Baby besuchen können. Das müssen Sie dann wohl auch einsehen, selbst wenn es Ihnen wehtut.

Überfordern Sie sich nicht und verlangen Sie nicht zuviel Einfühlungsvermögen für sich selbst von den jungen Eltern. Die sind nach vier Monaten sowieso noch in einer Eingewöhnungsphase.

Warten Sie einfach ab, was geschieht, wenn die Schwiegertochter wirklich regelmäßig arbeitet. Vielleicht braucht sie (und auch die andere Oma) dann ab und an mal einen Entlastungstag, an dem Sie sich einschalten und für den Sie dann Ihre Büroarbeit etwas umorganisieren. Ich kann mir vorstellen, dass das dankbar angenommen wird.

Babys sind schon zum Knuddeln süß und man hat als Oma Lust darauf, das ist klar. Aber wenn Sie jetzt nur 25 Prozent von dem umsetzen können, was Sie sich als werdende Großeltern vorgenommen hatten, ist das für den Anfang ganz in Ordnung. Sie müssen Ihrem Enkel nicht regelmäßig die Windeln gewechselt haben, um später von ihm geliebt zu werden.

Uta Alexander

Veröffentlicht am 4. Mai 2007. (1841 Tage alt) in Kummerkasten
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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