Rührei
Gestern gab es wieder Rührei. Morgens und abends. Anton und Wiebke müssen mindestens 20 Eier ausgeblasen haben.
"Es hängt mir echt zum Hals raus", sagte ich.
Ich esse am liebsten Spiegelei. An Ostersträußen mag ich Holzeier. Diese kleinen, bunten, die schon meine Mutter hatte. Meine Großmutter wahrscheinlich auch.
Schlimm genug, dass ein ganzes Volk damit gestraft ist, sein Leben lang Eier zu bemalen. Meine Enkel müssen den armen Sorben nicht noch das Geschäft versauen. Sonst sterben die noch eher aus. Das letzte Sorben-Paar kommt dann mit seinen Pinseln in den Zoo.
Ich finde, Kreativität wird heute generell falsch verstanden. Die meisten Leute denken doch, das hat was mit Basteln zu tun.
Ostereier-Suchen ist sowieso von gestern.
Jedesmal heult mir Brigitte danach die Ohren voll, weil irgendwelche Triebe im Garten zerlatscht sind. Jedes Jahr hofft sie auf schlechtes Wetter ab Karfreitag. Dann fühlt sie sich berechtigt, das Osterzeug für die Kinder in der Wohnung zu verstecken.
"Wenn man ei in Worten sucht, braucht man nicht raus!", erklärte ich meiner Familie. "Macht nicht fett und spart Geld."
Dieser Geistesblitz ist mir neulich gekommen, als ich vor einem türkischen Imbiss stand, der Bölökök oder so ähnlich hieß.
"Unser ei kann es mit dem türkischen ö aufnehmen, meine Meinung", verkündete ich der erstaunten Familie.
"Auweia", sagte Anton.
"Scheisse", ergänzte Wiebke.
"Eiapopeia", rief Brigitte inspiriert. "Geiz ist geil!"


