Oma Colorado: zehn Monate später

Christine und Enkelin Marina auf Spazierfahrt im Park. Hauptattraktionen: Weidenkätzchen streicheln, Tee trinken, Leute treffen. Foto: privat
Auf den Tag so alt wie dieses Magazin ist Marina Kristin, die Enkeltochter von Christine Schmitt-Schablitzki. GrosselternReport begleitet die beiden seit Juni 2006. (Teil 5)
Christine Schmitt-Schablitzki, 70, ist geschieden und lebt mit ihrem Partner im Taunus in der Nähe von Frankfurt am Main. Die gelernte Verlagskauffrau hat einen Sohn, ist belesen, reiselustig und leidenschaftliche Camperin. Wir trafen sie im Chat des Seniorentreffs, wo sie unter dem Nickname „Colorado“ bekannt ist.
Vorigen Sonntag ist deine Enkelin katholisch getauft worden. War dir das wichtig?
Ja, ich wollte es auf jeden Fall, denn ich komme aus einem katholischen Haus. Manche sagen, Kinder könnten sich später für einen Glauben entscheiden. Aber ich finde, in eine Glaubensgemeinschaft hineinzuwachsen ist etwas anderes. Die Entscheidung für die Taufe traf mein Sohn, der auch gern wollte, dass seine Tochter seinen Familiennamen trägt. Später soll Marina in den katholischen Kindergarten nebenan gehen, den schon ihre Mutter besuchte.
Hilft dir dein Glaube im Leben?
Eine gute Predigt zu hören gibt mir viel. Aber ich habe entschieden, sonntags nicht immer in die Kirche zu gehen, sondern stattdessen für zwei, drei Stunden ins Altersheim. Ich will etwas für andere tun, sonst ist Nächstenliebe nur theoretisch. Kirche soll auf Menschen zugehen, das ist es. Mich überzeugen besonders die Kapuziner Mönche in Liebfrauen in Frankfurt, die voriges Jahr 40 000 Frühstücke für Arme und Alte ausgeteilt haben.
Überhaupt sehe ich Rom, Papst und Gemeinde gesondert. Wichtige Feste in kirchlichem Rahmen zu begehen, finde ich schön. Ich freue mich schon darauf, dass Marina mal ein Krippenspiel in der Kirche miterlebt.
Wie verlief die Taufzeremonie?
Sehr feierlich und friedlich. Mit einem modernen Pfarrer, den die Kleine anstrahlte. Als er das Kreuz auf ihre Stirn zeichnete, erinnerte ich mich an meine Mutter. Sie hat dieses Zeichen immer gemacht, wenn jemand wegging. Damit derjenige sich behütet fühlt.
Das Taufwasser ist heutzutage angewärmt. Das Köpfchen wird rasch abgetrocknet. Marina hat die Taufe sehr genossen. Sie sah süß aus in ihrem weißen Taufkleid, aber nicht übertrieben. Man konnte wirklich mit ihr Staat machen. Das Kleid kam vonseiten meines früheren Mannes, ich schenkte eine goldene Kette mit Taufring und einem kleinen Brillanten. Im Wechsel kann ein Marienkäferchen dranhängen.
Gab es danach ein Familienfest?
Eigentlich wollten wir das vermeiden, denn die ganze Familie war nicht mehr zusammen seit meiner Scheidung. Dann haben wir zwei Omas aber gesagt, so geht das nicht. Wir backen Kuchen und gehen nach der Taufe zum Italiener Kaffee trinken. So war es dann auch, und es war gut. Ich habe mich mit allen freundschaftlich unterhalten, sogar mit der Frau von meinem Ex.
Marina hat, die neuen Partner eingerechnet, sechs Großeltern. Entsteht da Rivalität?
Nein. Mein neuer Partner ist nicht in die Opa-Rolle geschlüpft. Zur Taufe war er Ski-Fahren. Wenn ich Marina treffe, dann bisher immer allein, also kennt er sie kaum. Aber die neue Omi, die Partnerin meines Ex, ist happy über das kleine Mädchen.
Marina bleibt wohl für uns alle das einzige Enkelkind weit und breit, es sind keine weiteren in Sicht. Die möglichen Kandidaten sind nun auch schon über 40.
Wie lässt Du Dich eigentlich als Oma nennen?
Bei der Frage fällt mir auf: Mein Sohn, der mich Christine nannte, solange meine Mutter, also „Mutter“, da war, nennt mich jetzt Mutter. Zu Marina sagt er: „Oma kommt!“
Wie sie mich mal nennen wird, überlassen wir ihr selbst. Vielleicht bin ich ja, als Abgrenzung zur anderen Oma, dann die Kelkheimer-Oma. Und sie ist die mit dem Hund, wer weiß.
Was sind deine neuesten Oma-Aktivitäten?
Spazierengehen im Park, Marina im Sportwagen sitzend. Ich habe Tee für sie dabei, unterwegs pflücke ich für sie Gänseblümchen. Oder wir streichen beide über die weichen Kätzchen an den Weidenbäumen. Das erste Wort meines Sohnes war Baum, also zeige ich Marina Bäume und sage: „Ein Baum!“
Unterwegs treffen wir viele Leute: mit Hund, im Rollstuhl, junge Väter. Jeder spricht jeden an, man hat keine Scheu. Ich gucke in jeden Kinderwagen und frage die Mütter nach allem möglichen, zum Beispiel Essgewohnheiten der Kinder.
Hat Marina die Familie verändert?
Sie ist dabei, das zu tun, ja. Sie ist ein Papakind. Er braucht sie nur anzusehen, dann strahlt und quietscht sie. Ich bin sehr verwundert, wie pflichtbewusst, umsichtig und geschickt mein Sohn als Vater ist. Dabei hatte er keine Vorstellungen davon, wie das sein wird. Als ich einmal danach fragte, sagte er, er lasse es einfach auf sich zukommen.
Und was kommt jetzt, mit zehn Monaten?
Neue Zähne. Dass Marina krabbelt, was sie noch nicht tut. Dafür spielt sie auf dem Bauch liegend sehr schön mit einem Wägelchen mit bunten Holzklötzchen. Sie hat tolle Bilderbücher zum Tasten, die sie liebt.
Bei mir steht eine große Camping-Reise nach Arizona an. Den Sommer über werde ich dann öfters zu Besuch in Frankfurt sein. Ich habe schon ein Stühlchen für Marina gekauft, das bei mir bleiben soll, damit sie richtig sitzt, wenn sie hier ist. Aber es ist noch nicht ausgepackt.


