Sind uns Optimismus oder Pessimismus in die Wiege gelegt?

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Guckt der Löwe böse? Ist die Rose noch schön? Beides ist Ansichtssache. Foto: Lutz Pfeil

Bereits an manchen Babys fällt auf, dass sie auf Reize nervös, ängstlich oder launisch reagieren, während andere ausgeglichene, zugewandte, “ewige Sonnenscheinchen“ sind, die nichts erschüttert oder aus der Ruhe bringt.

Mit der nahe liegenden Frage, ob ein Mensch also bereits als Optimist oder Pessimist geboren wird, befassen sich unter anderem Glücksforscher.

Ihre Antwort lautet: Im Prinzip ja.

Zu etwa 25 Prozent ist die grundsätzliche Lebenseinstellung angeboren, schätzen sie. Also vielleicht sogar von den Großeltern vererbt. Ihre zuversichtliche Lebenseinstellung teilt sich Enkeln auch mit. Pessimismus und Meckerei "über die heutige schlimme Zeit" wirkt auf Kinder beängstigend und erzeugt Furcht vor der Zukunft und dem Alter.

Älteren Kindern kann man es nicht mehr beinahe vom Gesicht ablesen, wie sie denken. Optimisten und Pessimisten outen sich da durch grundsätzliche Aussagen wie: „Alles, was schief gehen kann, geht bei mir auch schief.“, „Ich trete in jedes Fettnäpfchen“ oder „Ich brauche gar nicht erst anfangen, ich schaffe das doch nicht“, „Man wird mich nicht nehmen“, „Mich kann sowieso keiner leiden“... Optimisten dagegen erwarten selbst in heiklen Situationen für sich immer noch das Beste: „Irgendwie komme ich da schon durch“, „Ich packe das schon“, „Ich bin ein Sonntagskind“...

Tragisch ist, dass die Schwarzseher oft Recht behalten. Denn die jeweilige Haltung wirkt als sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Optimismus, den Experten auch schon mal als kontrollierte Form des Größenwahns bezeichnen, hat nämlich einen biologischen Sinn. Er senkt Stress und mobilisiert Kraft, zu schaffen, was man sich vorgenommen hat. Bei gleichen Ausgangswerten sind zum Beispiel im Sport, im Studium, bei Krankheiten oder in Umbruchssituationen am Ende die Optimisten in der besseren Lage, stellte Matthias Jerusalem von der Berliner Humboldt-Universität fest. Pessimisten haben nichts, was sie in Extremfällen beflügelt.

Weil Optimismus und Lebenszuversicht aber nicht von geistigen und körperlichen Voraussetzungen abhängen (Optimisten sind keineswegs gesünder, schöner oder intelligenter als andere Leute), kann man beides auch erwerben. Der Amerikanische Psychologe Martin Seligman hat sogar ein Programm dafür entwickelt, Pessimisten zu Optimisten umzupolen.

Im Kern geht es darum, wie ein Mensch die Welt wahrnimmt. Denn es ist ja nicht so, dass ein Pessimist niemals Erfolg hat. Das Problem ist nur, dass er das für eine Ausnahme oder einen Zufall hält. Während Optimisten Erfolg immer mit ihrem Qualitäten und Kompetenzen erklären. Haben sie mal Pech, ist das für sie Zufall, Schuld der anderen oder der „Umstände“.

So kann man ein Kind Optimismus lehren

  • Es Erfahrungen mit der Interpretation von Erfolg und Scheitern sammeln lassen: „Denk nach, wie es dazu kam“

  • Ihm passende Rollenvorbilder zeigen: „Was der kann, kannst du auch!“

  • Indem man an es glaubt und es bestärkt: „Ich weiß, du kannst das.“

  • Indem man es auf körperliche Signale achten lässt. In derselben Situation reagiert der eine mit einem stimulierenden Adrenalinstoß, der andere mit Herzrasen, Zittern und Schwitzen. Eine solche Reaktion ist weitgehend angeboren, aber nicht schicksalhaft. Man kann sie abtrainieren, zum Beispiel Angst vor Wasser. Dann wird man schwimmen lernen.

Wichtig: Überschwängliches Lob für klägliche Leistungen ist gefährlich! Es signalisiert dem Kind: Mehr traue ich dir sowieso nicht zu. Kinder schätzen ihre eigenen Leistungen oft viel realistischer ein als Erwachsene glauben.

Besser: Tadeln Sie „aufbauend“. Sagen Sie: „Ich weiß, das kannst du besser!“

Entscheidend für eine optimistische oder pessimistische Grundhaltung ist das Familienklima, glaubt Glücksforscher Csikszentmihaly. Ihm zufolge braucht ein lebenszuversichtliches Kind Folgendes:

  • Klaren Erwartungen, mit denen sein Umfeld an es herantritt, eindeutige Ziele und klare Rückmeldungen
  • An seinem Tun deutlich interessierte Erwachsene, seien es nur Eltern, Großeltern, Verwandte, Lehrer oder Nachbarn
  • Das Gefühl, Wahlmöglichkeiten zu haben. Denn eine eigene Entscheidung treffen zu können und die Kontrolle darüber zu haben, setzt enorme Energien frei.
  • Das Gefühl, dass man ihm vertraut und dass es jemandem voll vertrauen kann
  • Stetig wachsende Herausforderungen

Normalerweise steht am Ende der Jugendzeit fest, ob jemand eher ein Optimist oder ein Pessimist ist, denn die bis dahin gemachten Erfahrungen sind prägend fürs Leben. Durch Erfolge im Beruf und in der Liebe lässt sich dadurch aber trotzdem noch einiges ändern. (Übrigens: Charakteristisch in höherem Alter soll angeblich ein Nachlassen des Optimismus sein.)

Wer traurig ist, weil ein Kind zum kleinen Pessimisten heranwächst, kann dem positive Seiten abgewinnen. Experten sagen nämlich, dass allzu viel Optimismus Gefahren birgt. Er suggeriert, man sei schon am Ziel. Die Folge: Man strengt sich weniger an und ist auf Rückschläge innerlich nicht vorbereitet ist. Damit steigt die Gefahr, zu scheitern.

Auch Gesundheitsexperten ist übertriebene Sorglosigkeit suspekt. Wer optimistisch daran glaubt, schlimme Krankheiten werden ihn schon nicht treffen, geht mit seinem Körper riskanter um.

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Veröffentlicht am 21. März 2007. (1885 Tage alt) in Von Null bis 18
 

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