Großeltern und Teenager

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In Liebesangelegenheiten halten Enkel ihre Großeltern für nicht besonders kompetent. Über vieles andere diskutieren sie mit ihnen lieber als mit den Eltern. Foto: Lutz Pfeil

Das Diskutieren ist die wichtigste gemeinsame Aktivität von Großeltern und Teenager-Enkeln, fand der Züricher Soziologe Francois Höpflinger heraus. Gesprochen wird dabei über alles, jedoch bleiben intime Themen wie Liebe und Sexualität in der Regel ausgespart.

Dass Großeltern den Nachfahren Werte und Normen deutlich anders weitergeben als die Eltern, stellte der Freiburger Pädagogik-Professor Fritz Oser fest. Während Eltern Werte und Normen oft in konfliktgeladenen Situationen durchpeitschen, bevorzugen die Alten das Erzählen der eigenen Lebenserfahrung. Eine Taktik, die bei pubertierenden Kandidaten ganz gut ankommt.

Anders als offenbar erwartet zeigen sich die Alten in Konfliksituationen keineswegs konservativ und liefern stur schablonenartige Bewertungen. Statt dessen neigen sie dazu, die Situation je nach den konkreten Umständen flexibel zu bewerten, z.B. wenn ein Jugendlicher gelogen hat heißt es nicht pauschal: Man soll nicht lügen!

In der Erziehung praktizieren Großeltern nach Ansicht Osers oft ein „Kompensationsmodell“. Das heißt, sie steuern bei, was die Eltern nicht bieten. Sind diese streng, verhalten sich Großeltern tendenziell verwöhnend und lässig. Lassen Mutter und Vater gern alle Fünfe gerade sein, zeigen Oma und Opa eher Strenge.

“The Central Grandparent“ (ein Begriff aus der amerikanischen Großelternforschung) ist in der Regel die Großmutter mütterlicherseits. Generell sind Frauen in der Enkel-Beziehung aktiver und länger engagiert, egal, ob das Enkelkind ein Junge oder ein Mädchen ist. Beim Heranwachsen erfolgt dann mitunter eine einseitige Ablösung vonseiten der jungen Leute.

In der Schweiz haben Teenager oft noch alle vier Großeltern, allerdings leben mehr als ein Drittel davon weit weg und nur 1,2 Prozent gemeinsam in einem Haushalt. Ein Dittel sehen sich einmal pro Woche, etwa die Hälfte nur zwei-, dreimal jährlich.

Dennoch werden sogar die entfernt lebenden Großeltern als bedeutsam erlebt. Übereinstimmend bewerten 90 Prozent der Großeltern und Enkel ihre Beziehung als wichtig.

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Veröffentlicht am 12. März 2007. (1894 Tage alt) in Von Null bis 18
 

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