Wie wär's mit einem Enkeltagebuch?

Als ich die ersten Sätze einschrieb, konnte ich noch nicht ahnen, dass das Notizbuch einmal eine Art Familienreliquie werden würde. Foto: U. Alexander
Man muss ja nicht jeden Tag etwas einschreiben. Aber manche Bemerkungen von Kindern sind einfach zu schön, um vergessen zu werden. Uta A. führte drei Jahre lang „Das kleine blaue Buch“, allerdings noch nicht als Großmutter, sondern als Mutter.
Hier ein paar Auszüge daraus, aufgeschrieben, als die Kinder (Sohn und Tochter) zwischen 3 und 4 Jahren alt waren:
Mama, da ist ein ganz kleiner Hund. Der läuft auf den Händen! (es war ein Dackel)
Stimmts, Pferde sind Fußgänger?
Stimmts, Fische trinken am liebsten Wasser?
Ich habe eine Katze gestreichelt, die war schwarz wie ein Tunnel. (Sohn spielte damals ausschließlich Eisenbahn.)
Sohn: "Ich habe in den Schnee gepullert. Da ist ein Loch geworden. Im Frühling, wenn es wieder Mäuse gibt, kann eine ganze Familie einziehen."
Unser Sohn zerrt uns ins Schlafzimmer der Großeltern und zeigt aufgeregt auf das Ehebett: „Guckt mal, da müssen die schlafen!“ (er ging selbst ungern ins Bett)
Mama: „Beim Husten hält man sich die Hand vor den Mund!“ Sohn: „Geht nicht! Hab beide Hände am Tee!“ (Dieser Satz wurde zur stehenden Redewendung in der Familie, wenn jemand etwas nicht machen will.)
Nach einem Streit. Sohn: „Dann suche ich mir eben eine neue Mama.“ Mutter, begierig, etwas über das Frauenbild des Sohnes zu erfahren: „Was denn für eine?“ Sohn, pragmatisch: „Eine, die noch kein Kind hat.“
Beim gemeinsamen Betrachten einer Illustration von Hänsel und Gretel: Sohn: "Die haben keine Schuhe. Trotzdem bleiben die Füße sauber. Komisch. Das gibts bloß im Märchen."
Beim Spaziergang begegnete uns eine kleinwüchsige Frau. Sohn, aufgeregt, freudig überrascht: „Mama, guck mal, auch Frauen sind Zwerge!“ (Sehr peinlich, glücklicherweise hatte die Frau Humor, sie lachte. In Märchenbüchern sind Zwerge wirklich immer Männer)
Sohn: „Ich werde später mal großartig. Groß und artig.“
Sohn: „Ich will nicht immer ein ärmliches Hemd!“ (Gemeint war langärmlig. Sein Freund trug ein Achselshirt)
Mama, Du hast ein schönes pünktliches Nachthemd! (es war gepunktet)
Mama will Sohn umziehen. Sein Pullover ist schmutzig. Sohn sträubt sich. Mutter: „Komm jetzt! Stört dich denn der Fleck nicht!?“ Sohn: „Nein, der ist ja nicht lebendig.“
Ostern. Wir haben Eier im Wald versteckt: „Guck mal, da hat sich der Osterhase aber viel Mühe gegeben!“ Sohn, skeptisch: „Ich glaube, das haben Kinder aus dem Flugzeug verloren.“
Frage angesichts des Weihnachtsbratens: „Mama, hast du die Ente gefangen?“ Mama: „Nein, ein Jäger.“ Sohn: „Hat die da Angst gehabt?“
Im Laden: Mutter, entnervt: „Wenn du jetzt noch lange bettelst, kaufe ich gar nichts und gehe nach Hause!“ Tochter: „OK. Lass das Geld da!“
Mutter öffnet eine Büchse Hering in Tomatensoße. Tochter, entsetzt: „Ist das Rote das Blut von dem Fisch?“
Mutter serviert mittags ganze Kartoffeln mit Quark. Sohn, höflich: „Gibt’s das auch manchmal im Gefängnis?“
Sohn: Bei uns kann es plötzlich ganz was Schönes zu essen geben, wenn Besuch kommt.
Sohn: „Schön, dass ihr aufsteht. Die Eier kochen gerade wieder!“ Mutter, entsetzt: „Seit wann sind die denn drin?“ Sohn: „Seit dem ersten Bild. Du kannst ja sehen, was ich alles gemalt habe. Dann weißt du, wie lange sie kochen.“
Mutter: „Putz endlich mal deine Schuhe!“ Sohn: „Welche Farbe hatten die denn?“
Manchmal ist, was Kinder sagen, einfach zum Lachen. (Übrigens, lachen Sie in Gegenwart des Kindes wenn möglich nicht hleich laut los. Es kann dann ziemlich beleidigt sein.)
Manchmal sind Kinder-Kommentare und -fragen richtig philosophisch. Etwa diese:
„Milch kann sauer werden. Kakao kann alle werden.“ / „Nur wer sprechen kann, kann lügen.“/ „Woraus ist der erste Affe geworden?“/ „Mama, du weißt nicht alles besser als ich. Manches weiß ich nämlich gar nicht.“
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