Wie fotografiere ich meine Enkelkinder?

Max(l.)und Quirin (r.), Fotos: Heidi Scherm
Tipps von Fotografin Heidi Scherm
GroßelternReport (gr): Kinder sind sehr schnell...
Heidi Scherm: Ja, und sie machen oft nicht, was man ihnen sagt, sondern bocken oder wollen viel lieber selber fotografieren. Deshalb muss man mit Tricks und Hilfen arbeiten. Ich bitte gern jemanden, das Kind von mir und der Kamera abzulenken, ein paar Faxen zu machen oder zu spielen. Dann kann ich mich ganz auf mein Motiv konzentrieren.
Mit etwas Glück erwischt man eine Szene, in der das Kind allein und völlig ins Spiel vertieft ist. Dann muss man ihm nur beobachtend folgen.
Lachende, strahlende Kinderaugen gelingen am besten, wenn jemand dabei ist.
gr: Wie setzt man ein Neugeborenes am besten ins Bild?
Heidi Scherm: Das ist eine Frage der Perspektive. Der typische Fall ist der: Das Kind liegt, der Fotograf knipst von oben. Dann ist das kleine Gesicht nur eine flache Scheibe, vor allem, wenn es noch angeblitzt wird.
Besser ist es, auf die Ebene des Kindes zu gehen, sich zum Beispiel hinzuknien, wenn es im Bettchen liegt. Den Bildausschnitt sollte man so wählen, dass das Kind im Mittelpunkt ist.
gr: Meistens wird ja das Baby auf dem Arm gehalten. Man hat dann eine halben Erwachsenen und ein winziges Köpfchen.
Heidi Scherm: Nicht unbedingt. Erst einmal überlegen: Was will ich zeigen? Für ein Kopfporträt geht man nahe heran und lässt alles Überflüssige weg. Oder man macht ein Mutter-mit-Kind-Bild. Auch schön.
Die ganz Mini-Kleinen kann man so hinlegen, dass sie im Liegen schon süß aussehen. Das Drumherum dazu ein wenig aufpolstern, zum Beispiel mit einer kuscheligen Decke. Die Umgebung und die Kleidung dürfen nur nicht quietschbunt sein, sonst hebt sich das Baby nicht ab. Dabei ist es doch die Hauptperson.
gr: Blitzen oder nicht?
Heidi Scherm: Besser nicht. Kinderaugen reagieren sehr empfindlich auf starke Helligkeitsunterschiede. Erst ab drei Monaten sollte man mit dem Blitz kommen. Diffuses, weiches Licht ist am besten für Kinderfotografie.
gr: Wie schafft man es, interessanten Hintergrund mit einzufangen?
Heidi Scherm: Mit natürlichem Licht. Ein typischer Amateurfehler ist es, im Raum und auch draußen einfach zu blitzen. Dann wird das Kind viel zu hell, die Umgebung aber versinkt im Dunkeln.
Normales Umgebungslicht modelliert das Motiv besser. Es verlangt eine längere Belichtungszeit und eine größere Blende, dadurch entsteht die räumliche Tiefenwirkung, die man haben will.
gr: Was halten Sie von gestellten Fotos?
Heidi Scherm: Man kann sehr viel Spaß daran haben, mit Kindern Model zu spielen. Man soll sie nur machen lassen. Für sie ist es ein Spiel, sich zu präsentieren. Man kann sie dabei noch etwas anfeuern und dirigieren: Super! Dreh dich! Setz mal die Mütze auf.... Sind sie richtig mit Lust dabei, kommt auch die Lebendigkeit rüber, die man sich wünscht.
Werden die Kinder steif und fragen sich „ Was will der Fotograf eigentlich von mir?“, lohnt es sich nicht, zu warten. Besser: Pause machen, den Kontakt zum Kind wieder aufbauen. Kinder sollten beim Fotografieren beschäftigt werden.
gr: Viele Großeltern drehen am liebsten Videos von ihren Enkeln...
Heidi Scherm: Ich finde, ein guter Schnappschuss fängt den typischen Ausdruck eines Kindes wunderbar ein, bleibt lange erhalten und kann ohne große Umstände angeschaut werden. Also, ich sehe mir lieber ein Foto an als lange Videosequenzen. Aber ich bin ja auch Fotografin.
* Heidi Scherm ist als Fotografin auf Porträts und Modefotografie spezialisiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Söhne sind 2 ¼ und ein halbes Jahr alt. Auch im Studio hat sie oft und gern Kinder vor der Kamera.
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