Ladylike

Ladylike

Es hat einen Vorteil, als Frau ab einem gewissen Alter von seinen Mitmenschen nicht mehr wahrgenommen zu werden: Man kann seine kriminellen Energien ungestraft entfalten.

Wie zum Beispiel Anneliese. Die pummlige Hobbygärtnerin klaut ganz gern mal. Vor allem aber entledigte sie sich ohne je Verdacht zu erregen ihres Ehemanns, auf seine alten Tage unerträglich geworden war. Nun wohnt sie zusammen mit einer alten Freundin aus Kindertagen.

Die Bewohnerinnen der Zwei-Frauen-WG sind so verschieden wie man nur sein kann. Elegant, beherrscht, introvertiert und kühl ist Lore, die ehemalige Antiquitätenhändlerin. Temperamentvoll, häuslich, warmherzig und fröhlich ist Anneliese.

Die beiden kommen recht gut miteinander aus und sehen großmütig über Angewohnheiten hinweg, die in einer Ehe zu Zank und Streit führen würden, wie zum Beispiel unterschiedliche Musik-Vorlieben, Aufstehgewohnheiten oder lange Haare im Waschbecken. Man respektiert einander. Die naiv wirkende Anneliese ist der intellektuellen Lore durchaus gewachsen.

Alles wird anders, als plötzlich Ewald auftaucht, ein gemeinsamer Bekannter aus Jugendtagen. Anneliese und Lore empfinden sich plötzlich als Rivalinnen. Mal müssen sie darüber lachen, mal sind sie ernstlich wütend aufeinander. Ehe sie das Problem lösen, indem die eine die andere in bewährter Manier aus dem Weg räumt, tauchen glücklicherweise gemeinsame Feinde auf. Eine medikamentensüchtige Ehefrau, eine junge Liebhaberin und schließlich noch eine mysteriöse Frau, der Ewald heimlich nachsteigt...

Man ahnt, dass es unter ihnen Tote geben wird. Aber natürlich ist Ingrid Noll clever genug, den Leser lange rätseln zu lassen, wer es ist und wie die Geschichte von Anneliese, Lore und Ewald ausgeht.

Ingrid Nolls Roman ist leicht, aber nicht seicht. Sie ist eine Menschenkennerin mit unverklärter Sicht auf alte Leute, die bei ihr weder lächerlich noch Mitleid erregend wirken. Ein erfrischend humorvolles Buch im Patricia-Highsmith-Sound.

Ingrid Noll, "Ladylike", Diogenes Verlag, ISBN-13: 978-3-257-06509-1

Veröffentlicht am 15. Februar 2007. (1923 Tage alt) in Buchtipps
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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kussmann