Familienstreit um Enkel - Mediatoren könnten vermitteln

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Brigitte Scheibe (Bild Mitte, in schwarz) und die Großelterngruppe Essen Foto: privat

Fragen an Brigitte Scheibe, 58, Initiatorin der Selbsthilfegruppe Großeltern Essen:

GrosselternReport (GR): Im Oktober 2004 gründeten Sie die Selbsthilfegruppe Großeltern Essen. Worum geht es Ihnen?

Brigitte Scheibe: Wir sind inzwischen mehr als 50 Paare, die sich regelmäßig treffen. Alle vermissen den Kontakt zu ihren Enkeln. Wie viele Menschen diese quälende Last mit sich herumtragen merke ich, wenn unsere Gruppe auf öffentlichen Veranstaltungen auftritt, zum Beispiel auf Stadtfesten. Männer und Frauen kommen dann zu unserem Stand und wollen sich Rat holen. Sie sind oft schon froh, mit ihrer Sorge nicht mehr isoliert zu sein.

GR.: Wie geht der Kontakt zu Enkeln verloren?

Brigitte Scheibe: Nicht nur durch Scheidung, wie man meist annimmt. Oft passiert es nach dem Tod von Sohn oder Tochter. Manchmal auch, weil die Enkel im Heim oder bei einer Adoptivfamilie sind, zum Beispiel nach einer Drogenkarriere ihrer Eltern. Neu ist eine Art Erpressung: Gebt Geld, oder ihr seht die Kinder nicht. Das nimmt unglaublich zu, und so war es auch bei mir, nachdem meine Tochter arbeitslos wurde. Meine Enkeltochter ist jetzt fünf Jahre alt und ich habe keinen Kontakt. Auch mein Sohn hat sich jetzt auf die Seite der Schwester gestellt.

GR.: Was kann man tun?

Brigitte Scheibe: Der übliche Weg führt übers Gericht. Man muss ein Umgangsrecht einklagen. Die Kosten dafür belaufen sich auf bis zu 8000 Euro. Aber selbst wenn man erfolgreich ist, steht man am Ende nur mit einem wertlosen Stück Papier da.

Mein persönlicher Rat an die Großeltern ist immer: Geht ein paar Schritte zurück, messt die jungen Leute von heute nicht an euren Maßstäben, hört auf herumzumeckern und zu kritisieren, sondern nehmt sie wie sie sind. Aber wenn es keinen Kontakt mehr gibt, kommt diese Einsicht zu spät.

GR.: Warum ist das Umgangsrecht aus Ihrer Sicht wertlos?

Brigitte Scheibe: Weil es ein Gummiparagraph ist, ohne guten Willen der Kindesmutter nicht durchsetzbar, und weil die Fronten gerade nach so einer Gerichtssache extrem verhärtet sind. Einem Paar aus unserer Gruppe ging es so. Es hatte das Umgangsrecht. Die Ex-Schwiegertochter sperrte sich trotzdem. Erst als beide Großeltern sehr schwer krank wurden, gab es aus Mitleid eine zögerliche Annäherung, - nach fünf Jahren!

GR.: Welche Alternative sehen Sie?

Brigitte Scheibe: Die außergerichtliche Vermittlung. Manchmal gelingt es, ein Familienmitglied zu gewinnen, das schlichtet. Oft aber auch nicht. Jugendämter und Arbeiterwohlfahrt können oder wollen auch nicht wirklich helfen. Es geht ja oft um hoch komplizierte Konflikte in völlig zerstrittenen Familien.

Deshalb kämpfen wir derzeit darum, von der Stadt Essen Mediatoren zur Seite gestellt zu bekommen. Das würde eine Marktlücke in der Beratungsszene schließen.

Gr.: Marktlücke? Wie meinen Sie das?

Brigitte Scheibe: Für jeden sozialen Notfall gibt es Ansprechpartner: Behinderte, Psychisch Kranke, Analphabeten, Arbeitslose, Alleinerziehende, Drogensüchtige, Migranten... Großeltern haben nichts.

Ich weiß, das klingt jetzt hart, aber es ist, als würden wir wie wertloser Abfall behandelt. Dabei haben Wissenschaftler längst klar gestellt, dass Großeltern für jeden Menschen ungemein wichtig sind. Und jeder Alterforscher weiß, was ein lebendiger Kontakt zu Kindern und Enkeln für Senioren bedeutet.

GR.: Wie stehen die Chancen, dafür, dass die Stadt Essen auf Ihren Vorschlag eingeht und Mediatoren einsetzt?

Brigitte Scheibe: Ich weiß es nicht, aber ich hoffe stark. Im Februar wird auf einer Sitzung im Rathaus darüber verhandelt.

Kontakt zur Selbsthilfegruppe

Telefonisch erreichen Sie Brigitte Scheibe unter 02014903770

Veröffentlicht am 23. Januar 2007. (1319 Tage alt) in Vorgestellt
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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kussmann