Die Schwiegertochter will nicht wie das eigene Kind behandelt werden

Ich hatte mir immer fest vorgenommen, meine künftige Schwiegertochter zu behandeln als wäre sie mein eigenes Kind, denn vonseiten meiner Schwiegereltern habe ich seinerzeit viel Ablehnung erlebt. Als es dann bei meinem Sohn mit einem Mädchen ernst wurde, handelte ich auch so. Ich lud sie oft ein, ohne darum viele Umstände zu machen und gab mich dabei immer wie ich bin. Als mein Sohn für einige Monate im Ausland war, rief ich oft an und offenbarte ihr auch private Probleme. Das würde gegenseitiges Vertrauen schaffen, dachte ich, wir wären eine Familie. Das Gegenteil ist der Fall, sie zieht sich immer mehr zurück. Offene Worte, zum Beispiel über ihren Umgang mit Geld, nimmt sie übel. Wie wird es erst sein, wenn sie Kinder bekommt? Oder ob sie meinen Sohn nicht mehr mag?

Gerlind Wittke

Ihre Schwiegertochter ist nicht Ihr Kind, nur weil sie mit Ihrem Sohn zusammen ist. Sie ist eine fremde junge Frau, die selbst Mutter und Vater hat. Sie ist erwachsen, hat ihren Kopf für sich und will von Ihnen erst einmal nur respektiert werden. Genau das wollten Sie von Ihren Schwiegereltern doch sicher auch. Es ist das Minimum, aus dem Herzlichkeit und Vertrautheit erst entstehen.

Wenn Sie jetzt die Schwiegertochter geradezu zwangsadoptieren, ist das eine grobe Vereinnahmung, hart an der Grenze zur Einmischung, die niemand freiwillig duldet. Kindsein, das bedeutet schließlich auch, klein gemacht zu werden, Konflikten aus Liebe und Schonung aus dem Weg gehen zu müssen, und sogar eine gewisse "Pflicht zu Zärtlichkeit". Welche autonome Person sollte das wollen? Wenn die junge Frau abblockt, hat das also kaum etwas mit Ihrem Sohn zu tun, sondern eher mit Ihnen.

Anrufe in Abwesenheit des Sohnes könnte sie beispielsweise als Kontrolle empfinden statt als freundliche Zuwendung, wie es hoffentlich gemeint war. Das können Sie natürlich nicht wissen, und sie wird es Ihnen auch kaum sagen, sondern eher zeigen. Zum Beispiel durch Rückzug. So genannte offene Worte werden generell als kaschierte Kränkung empfunden, gerade von jungen Menschen ohne gefestigtes Selbstvertrauen.

In der Familie „des Mädchens“ wurde höchstwahrscheinlich ein anderer Lebensstil gepflegt als in Ihrer und man ging anders miteinander um. Sie ist davon geprägt, sogar wenn ihr zuhause nicht alles gefallen hat.

Sie scheinen unbewusst zu glauben, dass jetzt alles in etwa so läuft wie bei Ihnen. Oder, noch gefährlicher, wie Sie es sich als Ideal ausmalen. Wie es scheint, erwarten Sie viel Nähe und den Status einer Mutter und Vertrauten.

Machen Sie sich keine Illusionen. Es wäre ein Wunder, wenn das gelänge. Zerschlagen Sie kein Porzellan, gerade im Hinblick auf künftige Enkel, denn der Weg zu ihnen führt über die Mutter. Seien Sie freundlich, höflich und pragmatisch. Machen Sie ruhig „einige Umstände“, wenn die Schwiegertochter kommt, so wie Sie das bei anderen auch täten, etwa einem Kollegen des Sohnes. Den würden Sie sicher nicht im Hausmantel empfangen und mit vertraulichen Problemen konfrontieren. Nehmen Sie sich Zeit, lernen Sie die Fremde kennen. Verstellen müssen Sie sich dabei natürlich nicht.

Die junge Frau wird mit Ihrem Sohn einen eigenen Familienstil entwickeln, der sich vielleicht von allem unterscheidet, was er und sie von zuhause gewohnt waren. Sie können vielleicht für sie eine Freundin und Vertraute werden, aber das braucht Einfühlungsvermögen, Toleranz und Geduld.

U.A.

Veröffentlicht am 26. April 2007. (1852 Tage alt) in Kummerkasten
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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