Oma Colorado: ein halbes Jahr später

Marina Kristin, sechs Monate alt, im Dezember 2006. Foto: privat
Auf den Tag so alt wie dieses Magazin ist Marina Kristin, die Enkeltochter von Christine Schmitt-Schablitzki. GrosselternReport begleitet die beiden seit Juni 2006. (Teil 4)
Christine Schmitt-Schablitzki, 70, ist geschieden und lebt mit ihrem Partner im Taunus in der Nähe von Frankfurt am Main. Die gelernte Verlagskauffrau hat einen Sohn, ist belesen, reiselustig und leidenschaftliche Camperin. Wir trafen sie im Chat des Seniorentreffs, wo sie unter dem Nickname „Colorado“ bekannt ist.
GrosselternReport: Na, was macht eine frisch gebackene Oma vor Weihnachten?
Christine Schmitt-Schablitzki: Oh, sie muss zum Zahnarzt! Aber im Ernst: Zum ersten Mal seit 20 Jahren stelle ich wieder einen Weihnachtsbaum auf, geschmückt mit Strohsternen und roten Äpfeln. Zu Ehren meiner Enkelin.
Ich hatte sonst nur noch eine Bodenvase mit frischen Zweigen, denn nach Tanne riechen sollte die Wohnung schon.
Eine Pyramide habe ich auch, noch ohne Kerzen, glücklicherweise...
GrosselternReport: Glücklicherweise? Warum?
Christine Schmitt-Schablitzki: Ich stand mit Marina im Arm davor – und schwupps hatte sie einen Flügel in der Hand. Wie leicht hätte sie sich verbrennen können.
Neulich, als Sohn und Schwiegertochter bei uns waren, zog Marina an der Tischdecke. Beinahe wäre das ganze Geschirr zu Boden gegangen. Man muss so aufpassen! Deshalb kommt mein Weihnachtsgeschenk bestimmt gerade recht.
GrosselternReport: Was schenkst du?
Christine Schmitt-Schablitzki: Ich finanziere eine Sicherheitsausrüstung für die Wohnung. Sicherheitsgitter, Sicherheits-Steckdosen und so etwas. Man weiß ja nie, was die Kinder so alles anstellen, wenn sie krabbeln.
GrosselternReport: So weit ist es bei Marina noch nicht, oder?
Christine Schmitt-Schablitzki: Immerhin kann sich die Kleine jetzt schon selbst ganz flink herumdrehen. Sie ist 65 Zentimeter groß und wiegt 7,5 Kilo.
Neuerdings schläft sie nicht mehr im Körbchen neben den Eltern, sondern im eigenen Zimmer im eigenen Bett mit Babyphon. Ein großer Fortschritt!
Marina hat jetzt auch zwei Zähnchen, die man sieht, wenn sie lacht, und sie bekommt den ersten Brei.
GrosselternReport: Mag sie den?
Christine Schmitt-Schablitzki: Also, viel hält sie nicht davon. Füttern ist schwierig. Der Brei landet zwar im Mund, aber ihn herunter zu schlucken, will offenbar gelernt sein. Manche Leute sagen, man solle für den Anfang einen Schnuller hinterher schieben. Aber Marina nimmt keine Nuckel.
Essen ist also jetzt ein Thema bei uns. Weil es in der Familie Neurodermitis gibt, rät der Kinderarzt, mit Süßem und bestimmten glutenhaltigen Getreidesorten im ersten Jahr vorsichtig zu sein, als Vorbeugung.
GrosselternReport: Wäre für Dich eine Schulung zu solchen Fragen interessant? Es gibt neuerdings Großelternkurse an der Volkshochschule, allerdings nur in Brandenburg.
Christine Schmitt-Schablitzki: Eher nicht, wenn es viel Zeit und Geld kostet. Ich berate mich aber gern mit meiner Freundin Bärbel. Sie hat von ihrem Sohn Zwillingsenkel, Svenja und Line, jetzt ein dreiviertel Jahr alt. Also hat sie genau den Wissensvorsprung, den ich brauche.
Es ist für mich ganz erstaunlich, wie verschieden sogar Zwillige sind. Die eine Kleine mag vom Löffel essen, die andere nicht. Eine schreit viel, die andere ist ruhig. Man braucht viel Einfühlungsvermögen und Geduld.
Bärbel ist gerade pensioniert worden. Sie ging mit sehr viel Wehmut in die Rente. Die Zwillinge sind für sie ein super Ausgleich.
GrosselternReport: Ausgleich, betonst du, kein neuer Lebensmittelpunkt...?
Nein, und ich bin nach wie vor der Meinung, dass es verkehrt wäre, wenn es anders wäre. Meine kunsthistorischen Kurse, mein Englisch, Städtereisen mit Freunden – das alles ist auch mein Leben und mir wichtig.
Übrigens sah ich vor kurzem: Leute hatten im Museum Babies dabei. Mich würde das stören, und das Kind hätte nichts davon. Ich finde, selbst auf den Weihnachtsmarkt gehört ein Kleinstkind nicht hin. Ich würde ungern mit Marina im Kinderwagen in dem Gedränge und Geschiebe dort herumfahren.
Meine Kinder wären sicher entzückt, wenn ich Marina später einmal pro Woche zu mir nähme, um die andere Oma und sie zu entlasten. Wir gehen das ganz langsam mit kleinen Schritten an...
GrosselternReport: Also, erst einmal ist Weihnachten...
Christine Schmitt-Schablitzki: Ja. Sohn und Schwiegertochter kommen am 2. Feiertag. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Ich dachte, sie wollen ihre Ruhe. Aber sie lieben es auch, bei mir gut zu essen.
Neulich, während der ganzen Weihnachtsplanungen, fiel mir plötzlich ein, was das erste Wort war, das mein Sohn sprach. Er sagte „Baum!“, - nicht zu mir, sondern zu seiner Oma.


