Mein Sonntagsessen ist der Schwiegertochter lästig

Mein Sohn wohnt mit Frau und Tochter (2) nur 20 Kilometer von uns entfernt. Wir laden sie jeden Sonntag zum Essen ein. Jetzt sagt meine Schwiegertochter, sie will das nicht mehr. Für sie sei das Stress, wir würden ihre Familie einengen. Ich kann das nicht fassen! Ich meine es doch nur gut und koche gern. Zusammen zu essen ist doch eine schöne Tradition. Sollen wir den Familiensonntag wirklich abschaffen?

Irmgard Herle, Berlin

Nein, auf keinen Fall. Gemeinsame Familienessen sind eine schöne Tradition. Viele junge Eltern würden Ihre Kinder um Sie beneiden. Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie mit Liebe kochen, sich auf diese Sonntage gut vorbereiten und freuen. Und jetzt gekränkt sind, dass die Arbeit nicht gewürdigt wird.

Aber offenbar haben Sie zuviel des Guten getan. Für Ihre Kinder ist das Zusammensein zur lästigen Pflicht geworden. Ihre Schwiegertochter hat ausgesprochen, was Ihr Sohn vielleicht aus Liebe und Respekt nur nicht zu sagten wagte. Seien Sie ihr nicht böse, sondern froh, dass sie das Problem angeschnitten hat.

Eine junge Familie braucht Freiraum, um eigene Rituale zu entwickeln. Je älter Ihr Enkelkind wird, desto mehr können seine Eltern mit ihm unternehmen. Möglicherweise sind sie berufstätig und haben nur am Wochenende dafür Zeit. Sicher haben sie auch einen eigenen Freundeskreis, der vielleicht in der Kleinkindzeit der Tochter vernachlässigt wurde. Vielleicht wollen sie sonntags auch einmal nur lange schlafen, mittags frühstücken und abends Pizza bestellen. Junge Leute haben oft nicht den Lebensrhythmus und Lebensstil ihrer Eltern.

Sie sollten Ihre Sonntagseinladungen auf höchstens einmal monatlich beschränken. Überlegen Sie, ob das gemeinsame Essen unbedingt immer bei Ihnen zuhause stattfinden sollte. Ein kinderfreundlicher Italiener, ein Spaßbad mit kleinem Imbiß oder ein Picknick schaffen Abwechslung.

Laden Sie sich doch mal selbst zu Sohn und Schwiegertochter ein. Kochen Sie gemeinsam, damit nicht die ganze Arbeit an einer Person hängen bleibt. Oder lassen Sie sich nur die Enkeltochter bringen und geben den jungen Eltern frei. Sie werden es Ihnen danken.

Als bewährte Köchin können Sie sich übrigens ganz entspannt zurücklehnen. Lassen Sie etwas Zeit vergehen und die Aufregung abklingen und nehmen Sie sich für Ihre Sonntage auch einmal etwas anderes vor als für die Familie zu kochen.

Früher oder später kriegen Sohn und Schwiegertochter wieder Appetit auf von Ihnen gekochte Lieblingsessen. Dann dürfen Sie sich ruhig etwas betteln lassen.

Uta Alexander

Veröffentlicht am 11. Dezember 2006. (1985 Tage alt) in Kummerkasten
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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