Sind Shishas harmlos?

Hier brennt richtiger Tabak, aber "gepafft". Foto: A. Thomas
Mein Enkel trifft sich mit Freunden zum Shisha-Rauchen. Ist das wirklich nur eine harmlose Mode?
Fred Gerlach, Berlin
Ihr Enkel liegt im Trend. Mit dem Wasserpfeife-Rauchen ist eine alte Leidenschaft der Osmanen, die vor allem in Ägypten und Indien weit verbreitet war, plötzlich für Europäer sexy geworden. In Clubs und Cafes werden immer häufiger Shishas (auch Hookha, Narghile oder Hubble-Bubble genannt) angeboten. Die Zeremonie genießt man vorzugsweise bei gedimmtem Licht, auf Kissen gebettet, begleitet von orientalischen Klängen und Räucherstäbchenduft. Man entspannt sich friedlich gemeinsam, schwärmen die Shisha-Freunde. Die Wirkung sei nur ein leichtes, angenehmes Schwindelgefühl.
Was als so romantisch, gesellig und harmlos gilt, hat doch seine Tücken. So treffen die aromatisierten Tabakmischungen wie Pfefferminze, Melone, Honig, Rose, Apfel, Erdbeere oder Multifrucht den Geschmack von Nichtrauchern und kratzen kaum im Hals. Deshalb kann für sie die Shisha ein Einstieg zum Zigarettenkonsum werden.
Eine Wasserpfeife enthält etwa 20mal soviel Teerstoffe und mehr Kohlenmonoxid als eine filterlose Zigarette. Die Werte von Beryllium, Chrom, Cobalt, Blei und Nickel im Rauch der Wasserpfeife sind ebenfalls höher als im Zigarettenrauch. Das Wasser in der Pfeife hat dabei keinen Filtereffekt, wie Laien gern glauben.
Wird in der Shisha kein Tabak, sondern z.B. nur Apfel verbrannt, enthält der natürlich keinen Teer. Dieser entsteht aber trotzdem – bei der Verbrennung. Es ist ein Irrglaube, der kühle Rauch der Wasserpfeife (ca. 120 Grad) sei gesünder als Zigarettenrauch, der 800 Grad hat, weil das „Brenngut“ eher schwelt als brennt. Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum fanden pro 10 Gramm Tabakmischung in der Wasserpfeife 240 Milligramm Teer. Zum Vergleich: Bei einer Zigarette kommen auf 10 Gramm Tabak 5- 350 Milligramm Teer. Noch ein wesentlicher Unterschied: Eine Zigarette kann man „paffen“, an einer Shisha wird zwangsläufig heftiger gesaugt und damit tiefer inhaliert, bis zu 1 Liter Luft pro Zug.
Was die Suchtgefahr angeht, sehen sich Shisha-Freunde auf der sicheren Seite. Man könne eine Wasserpfeife unmöglich „Kette“ rauchen wie Zigaretten, heißt es, schon weil eine Pfeifenfüllung eine Stunde braucht. Üblich seien ein, zwei Pfeifen pro Woche, was jeden Vergleich mit Zigaretten lächerlich mache. Dazu ist zu sagen, dass Menschen in den Stammländern der Wasserpfeife, die sich täglich eine Shisha gönnen, durchaus einräumen, sie seien danach süchtig.
Wenn Ihr Enkel Shishabars besucht, sollte er das alles wissen. Das Mindeste an Vorsichtsmaßnahmen ist, auf ein frisches Plastikmundstück als Rohraufsatz zu bestehen. Wer das nicht ernst nimmt, geht ein hohes Risiko ein, sich mit Herpes, Hepatitis oder Tuberkulose anzustecken.


