Oma Colorado. Viereinhalb Monate danach

Christine_und_partner_ausschnitt
Christine Schmitt-Schablitzki und ihr Lebenspartner. Foto: privat

Auf den Tag so alt wie dieses Magazin ist Marina Kristin, die Enkeltochter von Christine Schmitt-Schablitzki. GrosselternReport begleitet die beiden seit Juni 2006. (Teil 3)

Christine Schmitt-Schablitzki ist geschieden und lebt mit ihrem Partner im Taunus in der Nähe von Frankfurt am Main. Die gelernte Verlagskauffrau hat einen Sohn, ist belesen, reiselustig und leidenschaftliche Camperin. Wir trafen sie im Chat des Seniorentreffs, wo sie unter dem Nickname „Colorado“ bekannt ist.

GrosselternReport: Christine, inzwischen bist du 70 geworden. Wie war das Fest?

Christine Schmitt-Schablitzki: Wunderbar. Ich habe meine Gäste geteilt. Einmal feierte ich mit Verwandten und Freunden. Am zweiten Tag hatte ich dann nur Frauen eingeladen. Meine Englischlehrerin war mit Gitarre da, der Ehemann meiner Saunafreundin Ruth erschien dann unverhofft mit seinem Akkordeon ... So kam spontan tolle Stimmung auf und es ging hoch her.

GrosselternReport: Die jüngste Gratulantin war natürlich dein Enkelkind...

Christine Schmitt-Schablitzki: Ja, die Kleine war auf den Armen ihres Vaters drei Stunden dabei. Wir hatten vorher ausgemacht, aufzupassen, dass nicht jeder sie antatscht. Es kostet nämlich richtig Überwindung, sie nicht auf den Arm zu nehmen, denn sie ist unglaublich niedlich, selbst wenn sie weint. Wenn sie dicke Tränchen kullern lässt, bricht es einem das Herz. Auf meinem Fest war sie aber ganz ruhig und schaute sich nur mit großen Augen alles an.

GrosselternReport: Das klingt als wäre das eher die Ausnahme?

Christine Schmitt-Schablitzki Naja, ich muss sagen, sie ist sehr verhätschelt und verzogen, will ständig herumgetragen, gehalten und beschäftigt werden. Bei meinem Sohn war das einfacher. Ich hatte da so ein rundes Ställchen. Das musste ich zwar überallhin hinter mir herziehen, damit er mich sah. Aber er saß da drin und beschäftigte sich auch mal allein.

GrosselternReport: Was meint denn die Schwiegeroma dazu, die sie regelmäßig betreut?

Christine Schmitt-Schablitzki: Sie sagt, sie kommt dann zu nichts anderem. Aber sie muss auch manchmal was im Haushalt tun. Da ist schließlich noch der Opa.... Gerade telefonierte ich mit meinem Sohn. Es sieht nicht so aus, als ob es demnächst einfacher werden würde. Marina hat mit einer Nahrungsumstellung zu tun und manchmal Bauchschmerzen. Bald kommen dann die Zähnchen....

GrosselternReport: Das Baby bringt also Stress ins Familienleben?

Christine Schmitt-Schablitzki: Auf jeden Fall. Nach meinen Maßstäben dreht sich zuviel nur ums Kind. Ich dachte schon daran, eine Putzfrau zu sponsern, um die jungen Leute zu entlasten. Dann wäre mehr Zeit, zusammen zu kochen und zu essen, was ich wichtig finde. Aber bisher kam darauf kein Echo.

Mein Sohn hat seine Arbeitszeit verschoben. Er fängt früher an, um gegen 14 Uhr das Kind zu übernehmen. Das bedeutet, um fünf Uhr aufzustehen und möglichst zeitig zu Bett gehen. Natürlich ist er froh über die Möglichkeit, Zeit mit seinem Kind zu verbringen. Die hat heutzutage ja nicht jeder. Auch meine Schwiegertochter ist mit ihrem Rechtsanwaltsbüro stark beansprucht. Also, ein zweites Kind will das Paar mit seinen 39 Jahren auf keinen Fall.

GrosselternReport: Und Du?

Christine Schmitt-Schablitzki: Ich freue mich, dass Marina auf der Welt ist. Lustig, wie sie neulich mit beiden Händen nach dem bunten Papier griff, in das mein Geschenk eingewickelt war. Die Hülle war interessanter als der Inhalt. Dass sie mein ganzes Leben verändert hat, würde ich nicht sagen. Manche behaupten, sie sähen die Welt mit anderen Augen, wenn Enkel da sind. Ich glaube, das Bewusstsein für Probleme der Zeit hat nichts mit eigenen Nachkommen zu tun.

GrosselternReport: Welche sind Dir wichtig?

Christine Schmitt-Schablitzki: Die, wo ich helfen kann. Jeden Sonntag bin ich deshalb ehrenamtlich im Alten- und Pflegeheim am Anlagenring. Ich habe mir fest vorgenommen, Marina später dahin mitzunehmen. Es muss normal sein, dass man nach alten Leuten schaut. So wie meine Familie sich nach dem Krieg um zwei alte Tanten kümmerte, die in Düsseldorf ihre Wohnung verloren hatten und deshalb bei uns lebten.

Ich startete vor ein paar Monaten einen Aufruf in einigen Internetforen. Ein Musiker von der Jazzband Red Hot Hottentotts hier aus unserer Gegend meldete sich und ich erzählte ihm, wie Unterstützung im Heim aussehen kann Heute war er beim Ehrenamtlichentreff dabei und schaute sich im Haus um. Ich glaube, er wird eine Heiminsassin regelmäßig besuchen. Darüber bin ich genauso glücklich wie über die Fortschritte meiner Enkelin.

Teil 2 der Serie

Teil 1 der Serie

Veröffentlicht am 23. Oktober 2006. (1931 Tage alt) in Vorgestellt
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

weiter

kussmann