Das erste Jahr

Marina Kristin, sechs Monate alt, fotografiert von ihrer Großmutter Christine Schmidt-Schablitzki
Zur Erinnerung für Omas und Opas: Nie geschieht so viel wie in den ersten zwölf Lebensmonaten. Sehen Sie die folgende kleine "Chronik" aber nicht als Norm. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo.
Manchmal werden ganze Entwicklungsphasen übersprungen, zum Beispiel das Krabbeln. Manchmal verharren Kinder lange auf einer Stufe. Niemals sollte man einer Entwicklung künstlich vorgreifen, etwa ein Kind zu früh zum Sitzen oder Laufen bringen.
Die ersten Tage:
Baby ist manchmal schlecht drauf. Atmen müssen, wechselnde Temperatur und Hunger spüren, helles Licht aushalten – das ist anstrengend.
Ein Neugeborenes braucht 16,5 Stunden Schlaf.
Zweite, dritte Woche:
Das Baby lauscht und kann zwischen menschlichen Stimmen und Geräuschen unterscheiden. Es unterscheidet auch Kontraste und Konturen – aber nur bis auf Armlänge. Die vertrauten Bezugspersonen erkennt es am Geruch.
Geschrei aus vollem Hals, Wimmern: Das heißt: Kümmere dich sofort um mich! Ein Säugling ist auch ein Tragling: Er mag Hautkontakt und die beruhigende Wirkung des Schaukelns auf dem Arm seiner vertrautesten Person.
Sechs Wochen:
Ein Tag- und Nach-Rhythmus stellt sich ein. Baby hebt den Kopf.
Zwei Monate:
Baby versucht, Geräuschquellen zu orten. Mimik wird nachgeahmt.
Drei, vier Monate:
Baby sucht Blickkontakt. Es bewegt den Kopf in die Richtung von Geräuschen und Aktivitäten. Mobiles über dem Wickeltisch werden interessant. Baby greift nach Gegenständen, kann sich in Bauchlage auf die Arme stemmen.
Das Kind gibt Antwortlaute. Man hat den Eindruck, es versteht, was man sagt.
Der Wille entwickelt sich. Baby benutzt Stimme, Mimik und Gesten, um sich auszudrücken. Hicksen, Gähnen, Würgen, Husten und Seufzen können Stress-Signale sein. Etwa bei zuviel Lärm oder zuviel Nähe, wenn das Kind müde ist. Die Aufmerksamkeitsspanne liegt bei maximal 20 Minuten. Glasige Augen, Kopf abwenden - das heißt übersetzt: Lass mich in Ruhe.
Die These, man könne ein kleines Baby zu sehr verwöhnen, ist passé. Es kann sich in den ersten drei Monaten nicht selbst regulieren, sondern braucht geduldige Hilfe. Zum Beispiel, um einzuschlafen.
Vier Monate:
Ab jetzt kommen Zähnchen. Alles wandert in den Mund. Auch die eigenen Hände und Füße.
Baby genießt Wiederholungen: Ich krähe, Mama lacht.
Fünf, sechs Monate:
Baby hört auf seinen Namen. Beginnt zu plappern. Kann räumlich sehen. Es greift seltener daneben. Wendemanöver beginnen. Das Kind kann Stimmungen einschätzen! Es liebt jetzt Versteckspiele: Teddy verschwindet hinterm Vorhang. Clever: Das Baby weiß genau, Teddy ist noch da.
Sieben Monate:
Das aufrechte Sitzen gelingt. Jetzt sind Babys in der Lage, miteinander zu kommunizieren: Sie ahmen einander nach. Das Plappern bekommt Struktur.(Dada, lala) Und Sinn: Bu für Bums. Lieblingsspiel: Sachen fallen lassen. Das ist toll: Es klingt gut, Leute bücken sich!
Setzen Sie die Fernbrille auf: Das Kind rollt, rutscht und krabbelt ans Ziel seiner Wünsche. Das kann auch der Hundenapf sein.
Acht Monate:
Kind krabbelt und sitzt allein. Mit Hilfe kann es stehen. Es lächelt, wenn es gerufen wird. Das Fremdeln beginnt.
Neun Monate:
Leise Töne werden konzentriert belauscht, zum Beispiel das Ticken eines Weckers. Baby zeigt mit Fingern auf Leute und Dinge. Es übt den „Pinzettengriff mit Daumen und Zeigefinger. Jetzt braucht das Kleine nur noch 14 Stunden Schlaf täglich. An einem Haltegriff oder Möbelstück steht es allein.
Der Der Humor erwacht. Das Baby lacht über Unverhofftes.
Zehn Monate:
Farben werden erkannt. Die volle Sehschärfe kommt aber erst mit sieben Jahren.
Lieblingsspiel: Gegenstände nach Größe und Farbe sortieren.
Elf Monate:
Baby hilft beim Anziehen: Die Hand muss in den Ärmel! Lieblingsspiel: Einräumen und Ausräumen. Gehversuche an der Hand.
Zwölf Monate:
Baby trinkt aus der Tasse, hantiert mit dem Löffel. Spricht erste Worte. Beherrscht einfache Puzzles. Bald kommt es ohne Unterstützung zum Stehen und läuft los.
Lieblingsspiel: Das Kind übt sich im Kommandieren. Zum Beispiel: „Lolade!“ Nicht zu oft schwach werden!
Übrigens: Im Umgang mit Säuglingen wird heute natürlich einiges anders gehandhabt als seinerzeit bei unseren eigenen Kindern. Aber soooviel nun auch wieder nicht. Tipps gibt der Grundkurs Babypflegebei "Urbia".
(Quellen: H.-D.Schmidt, Evelyn Richter "Entwicklungswunder Mensch"; Gehirn & Geist: "Expedition Kindheit" 2/05, Special Eltern "Mein Baby" 2006/2007, Dummy Kinder 09, Winter 05/06)
Was-ist-was-Lexikon des Baby-Zubehörs für das erste Jahr
Babyhopse Bewegungsspielzeug, vorausgesetzt, das Kind kann sich schon selbst aufrecht halten. Üblicherweise wird die Babyhopse ab dem 5. Monat benutzt. Neuerdings warnen einige Orthopäden davor: Das Kind hopst darin nur auf dem Zehenspitzen. Es fühlt nicht die Belastung der gesamten Fußsohle. Das richtige Abrollen des Fußes wird nicht geübt. (Quelle: Bettina Radola, Physiotherapeutin in Vechta bei Oldenburg in "Die Zeit, 14.12.2006)
Babyschale Das Baby sitzt darin gekrümmt und kann sich kaum bewegen. Nur fürs Auto.
Babysitter Wird gern von Großeltern gesponsort, wenn diese keine Zeit haben. Nach einem Diplom vom Babysitter-Kurs und Referenzen fragen. Trotzdem einen Kennenlern-Tag einlegen. Manchmal stimmt die Chemie einfach nicht.
Babywippe Sieht lustig aus: Baby strampelt. Drehen und Rollen geht nicht. D.h. wichtige Muskelgruppen werden nicht trainiert. Besser: Krabbeldecke. Die Wippe, die etwa ab dem 3. Lebensmonat eingesetzt wird, verschafft dem Baby allerdings einen guten Blick auf seine Umgebung. Die beste Lösung, falls die Wippe bereits vorhanden ist: Sparsam einsetzen!
Flecken Zitronensaft, Essig und milde Bleichmittel bereithalten. Hilft gegen Karotten-, Bananen- und Pfirsichspuren. Milchflecke gehen, lauwarm vorgespült, mit Gallseife oder Salmiakgeist gut raus. Das Wundermittel Spucke zur Erstversorgung hat durchaus etwas für sich: Speichel enthält Enzyme. Alter Oma-Trick: Mineralwasser mit Kohlensäure funktioniert auch.
Fliegergriff Das Kind liegt waagerecht auf Mamas oder Papas Händen. Gut für die Rückenmuskeln und gegen Bauchweh.
Gebrüll Kommt vor. Nur wer sich selbst hilft, kann auch Baby helfen. Kaufen Sie sich Ohrstöpsel, benutzen Sie Kopfhörer. Gehen Sie mal fünf Minuten vor die Tür und atmen kräftig durch. Wichtig: Baby vorher sicher ablegen.
Gehhilfen Werden auch "Gehfrei" oder Lauflernhilfe genannt. Werden von Herstellern ab 8. Monat empfohlen. Viele Orthopäden sind entschiedene Gegner. Sie sehen sie als verfrühte Frühförderung. Falsche Körperhaltung werde gefördert. Die Hüftgelenke werden nicht altersgerecht belastet. Es kann zu Unfällen kommen, insbesondere Treppenstürze, Prellungen, Platzwunden und schlimmstenfalls Gehirnerschütterungen und Schädelbrüchen. (Quelle: Die Zeit Nr. 38, S. 40)
Laufstall Unverzichtbar im Krabbelalter und im Lauflernalter. Man kann das Kind unbeaufsichtigt lassen. Aber nur für kurze Zeit.
Lieblingsspiele Gucken und zeigen: Vogel, Blume, Mond, Sonne, Auto, Hund. Einfach dem Blick des Kindes folgen und die Entdeckungen benennen. Schatzsuche: Spielzeug in ein Säckchen stecken. Entweder nur zum Tasten. Oder zum Auspacken.
Musikspielzeug, Kindertelefon, Quietschente Manchmal viel zu laut für empfindliche Kinderohren. Immer an den eigenen Ohren testen!
Schnuller Gibt es aus Silikon und Latex (Kautschuk), in rund oder flach. Beides lässt sich auskochen. Kautschuk altert schneller, manche Kinder sind dagegen allergisch. Silikon hält länger, wird aber leicht durchgebissen, sobald Zähne kommen. Achtung: Zu große Schnuller bewirken Zahnfehlstellungen. Größe 2 reicht.
Wickeltisch Die richtige Höhe beträgt mindestens 85 Zentimeter. Die Windelutensilien sollten griffbereit sein. Sonst besteht die Gefahr, dass das Kind in einem Moment der Unaufmerksamkeit herunterfällt!


