Freizeit: Welcher Sport ab wann fürs Kind?

Der Enkel meiner Freundin, nicht allzu groß und eher kräftig, wäre als Fünfjähriger beinahe von einem Boxtrainer angeworben worden. Er sei für diese Sportart ideal gebaut. Er konnte nicht wissen, dass das Kind körperlichem Kräftemessen grundsätzlich abgeneigt war und seine Probleme vorzugsweise durch Verhandlungen löste. Später hieß es, seine Eltern sollten ihn zum Basketball schicken. Das Springen und Rennen könne vielleicht einen Wachstumsschub auslösen.

Sie brachten ihn schließlich zum Schwimmen. Einfach, weil ein Hallenbad in der Nähe war. Keine schlechte Entscheidung: Schwimmen kann ein Kind nie früh genug erlernen.

Ansonsten kann es dauern, bis ein Kind „seine“ Sportart findet, der es auch treu bleibt. Nicht jede Sportart passt für jedes Kind. Manchmal tut einem Einzelgänger ein Mannschaftssport gut. Manches Kind wird nie ein Mannschaftstyp, trainiert lieber allein und meidet jeden Wettbewerb. Was für Erwachsene gilt, gilt auch für Kinder: Sport und Bewegung sollen vor allem Spaß machen.

Also ein Kind nie gleich fest im Verein anmelden, die gesamte, oft teure Ausrüstung anschaffen und hoffen, mit der Betätigung käme auch die Begeisterung. Erst Schnupperkurse nutzen und dann entscheiden.

Wichtig ist nicht nur der Sport selbst, sondern auch das Klima in der Gemeinschaft. Im Idealfall ist die Sportstätte für das Kind ohne fremde Hilfe zu erreichen.

Manchem Kind ist regelmäßiges Training lästig. Hat es genug Freunde zum lustvollen Herumtoben, ist das auch OK. Fest steht nur eines: zwei Stunden Schulsport pro Woche und täglich 30 Minuten Bewegung vom Kühlschrank zum Sofa sind nicht genug.

Das steht zur Wahl:

Ballett: Rhythmik und Bewegungskoordination werden geschult. Kurse gibt es ab 5, manchmal ab 2 Jahren. Einfach Tanzen zu Musik geht auch ohne.

Schwimmen: Bringt Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Lungenkapazität und Spaß am Wasser. Es zu lernen, ist lebensrettend. Mama und Papa, Oma oder Opa sollten sich dafür ins Zeug legen. Manchmal reicht schon ein gemeinsamer Urlaub am Wasser fürs Schwimmenlernen aus. Im Verein ab 5 Jahren. (Voll in Mode: Babyschwimmen)

Radfahren: Bringt Ausdauer, Koordination, Kraft, Gleichgewichtssinn und Naturerlebnisse. Gute Vorübung: Laufrad ohne Stützräder. Im Klub ab 10 Jahren. Geht gut auch einfach so. Wichtig: Helm!

Ski: Gut für Persönlichkeitsentwicklung, Naturerlebnis, Kälteresistenz, Gleichgewicht und Kraft. Geht gut ab 4 Jahren.

Judo, Ringen: Schult soziales Verhalten, bewirkt Respekt vor Partner und Gegner, Selbsteinschätzung, Aggressionsabbau, Körperbeherrschung, Beweglichkeit, Kraft. In Vereinen meist ab 6.

Ballspiele: Bringt vor allem Reaktionsschnelligkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration, Wir-Gefühl. Meist Mannschaftssport, in Vereinen ab 5.

Turnen: Koordination, Wahrnehmungsfähigkeit und Beweglichkeit wachsen. In einfachen Varianten ab 3 Jahren. Mit klassischem Geräte- oder Kunstturnen besser noch warten.

Leichtathletik: Perfekt für Koordination, Kraft, Ausdauer, Wettkampfgeist. Macht im Verein Spaß. Ab 6.

Klettern: Anstrengungsbereitschaft, Durchhaltevermögen, Kraft, Hilfsbereitschaft, Koordination und Selbstvertrauen werden geschult. Kommt verstärkt in Mode. Im Verein ab 5.

Tischtennis: Auge-Hand-Koordination, Ausdauer, Reaktionsfähigkeit, Spielspaß. Kurse ab 5, im Verein meist ab 8. Geht auch zuhause.

Eishockey, Inlineskaten: Gleichgewichtssinn, Auseinandersetzung mit den Elementen und Gegenern. Kraft, Koordination. In Vereinen ab 4. Wichtig: Körperschutz!

(Quelle: Horst Rusch, ehem. Akademischer Direktor des Sportwissenschaftlichen Instituts München, in Kinderleben, in Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung)

Veröffentlicht am 14. November 2006. (2015 Tage alt) in Ratgeber
 

„Stimmts, Opa“, sagte Anton gestern dicht an meinem Ohr, „das Leben ist ungerecht.“ „Und gefährlich, Alter!“, ranzte ich ihn wütend an. Der Kerl hatte mich aus dem schönsten Schlummer geschreckt.

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